Die Teilzeit-Falle: Eine Working Mom redet Klartext

26. Juni 2013 | Von | Kategorie: Beruf und Familie, Gastbeiträge, Kaffeeküche

Schon länger ist es her, dass ich Kaffee schlürfend einer anderen Zweifachmutter erzählte, die Kaffeeküche auf meinem Blog sei der Ort, wo ich mich auch mal so richtig schön aufregen darf und so ganz subjektiv meinen Frust rauslassen kann, falls es nötig ist. Sie könne jederzeit in meiner Kaffeeküche vorbeikommen und sich gern auch (auf Wunsch anonym) textlich über das auslassen, was ihr als berufstätige Mutter auf dem Herzen liegt. Jetzt hat sie das Angebot angenommen:

 

Als teilzeitbeschäftigte Mutter bist du überall nur Teilzeit! Dein Chef nimmt dich nicht für voll, du arbeitest ja nicht Vollzeit. Mit dir ist nicht mehr zu rechnen. Du kriegst die uninteressanten Doofi-Projekte, egal ob du tausendmal besser bist, als dein Vollzeit-Kollege. Wenn du eines dieser Doofi-Projekte aber ausbaust und es dir plötzlich richtig Spass macht, wird es dir plötzlich weggenommen. Begründung: „Weil halt“.

Du gehst krank ins Büro, arbeitest mit krankem Kind zu Hause weiter. Du würdest hochschwanger und mit Lungenentzündung ein Projekt fertig machen. Gibt es in zehn Jahren eine Gehaltserhöhung? Nö.

Du hast tausendmal bewiesen, dass du Projekte pünktlich und perfekt ablieferst und bekommst jetzt deinen Kollegen als zusätzlichen Chef vorgesetzt.
Dir reicht es und du bittest um ein Zwischenzeugnis. Dein Chef versteht die Welt nicht mehr. „Warum hängen Sie denn so sehr am Doofi-Projekt? Sie sind jetzt total unabkömmlich bei der Materialbeschaffung!“

Zu Hause ist es nicht anders. Es reicht ja schon, dass meine Kinder meinen Job-Frust abbekommen, denn Teilzeit bedeutet hier leider nicht Teilzeit-Stress oder Teilzeit-Ärger. Für einen Hockey-Kurs oder den Chor im Nachbarbezirk fehlt mir spät nachmittags einfach die Energie. Mein Sohn ist sieben und kann immer noch nicht schwimmen, weil ich ab 17 Uhr einfach mal die „BUNTE“ lesen will. Das ist doch doofi!

Ach, einen Mann habe ich auch noch. Mit dem würde ich mich auch ganz gern mal wieder unterhalten und nicht immer nur „To-Do-Listen“ abarbeiten.

Ich weiss nicht, was eine Lösung sein könnte. In Schweden arbeiten beide Partner Vollzeit. Haus-und Kinderarbeit wird geteilt, die Frauen sind wirklich viel gleichberechtigter. Dort bedeutet Vollzeit aber auch um 17 Uhr spätestens vorm Kindergarten stehen und nicht noch ein Meeting besuchen müssen.

Ich weiss nur, dass ich in der Teilzeit-Falle stecke. Vielleicht werde ich jetzt „trophy wife“. Das kommt aus den USA. Das sind top ausgebildete Harvard oder Yale-Absolventinnen, die sich bewusst entscheiden, „nur“ noch Hausfrau und Mutter zu sein. Mist, ich habe aber leider nur einen Orchideenfach-Abschluss von einer deutscher Feld-Wald-Wiesen Uni.

Dann doch vielleicht „desperate housewife“… Dann kann habe ich wenigstens eine anständige Föhnfrisur!

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Sophie Lüttich

Inhaberin von NetWorkingMom.de. Als bekennende Latte-Macchiato-Mama trägt sie nicht nur interessante Netzfundstücke zusammen, sondern plaudert in der Kaffeeküche recht scharfzüngig über die Merkwürdigkeiten, die einem als berufstätige Mutter so begegnen. Mehr Lifestyle und Kinderkram gibt's im Zweitblog www.BerlinFreckles.de

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10 Kommentare auf "Die Teilzeit-Falle: Eine Working Mom redet Klartext"

  1. Sabrina sagt:

    Ich kann das nur bestätigen. Vorm Kind hätte ich Karriere machen und aufsteigen können da ich sehr engagiert arbeitete und auch neue Mitarbeiter an lernte und und und. Ich entschied mich dann erstmal fürs Kind denn mit 30 wirds ja langsam mal Zeit, die Uhr tickt… Nun bin ich dies Jahr mit 15 Stunden wieder eingestiegen und auch ich bekam ein neu aus gedachtes Doofi-Projekt. Dass mein altes Projekt nicht geht ist mir klar, dafür muss man Vollzeit arbeiten. Nun hocke ich 15 Stunden im Büro und passe quasi nur noch Termine bei Aufträgen an. Ätzend langweilig. Bekam dann noch eine neue Kollegin zur Unterstützung, die arbeitet aber Vollzeit und was bekomme ich vor zwei Wochen zu hören? Sie wird künftig ein ganz neues Projekt machen was quasi die Zukunft betrifft (arbeite im Bereich Netzausbau/Netzwartung einer Telekommunikationsfirma). Des weiteren kommen bei mir keine infos mehr an von teambesprechungen. Bin montags halt nie da… Auch auf mein Bitten die wichtigen Infos per Mail zu bekommen wurde nicht reagiert. Nun Sitz ich da und versteh bei neuen Fachbegriffen nur Bahnhof. Vollzeit kann ich nur leider nicht arbeiten, die Firma ist 100km von zu Hause entfernt und bin schon auf Schwiegereltern angewiesen, dass die mein Kind von der Kita abholen und noch zwei Stunden betreuen. Geht sie in den Kindergarten wird es ganz übel, der schliesst bereits um 13 Uhr. Wirklich arbeitsfreundlich ist das nicht. Da wird man als Frau vom Dorf wirklich zur Hausfrau degradiert. Und das alles nur weil man ein Kind wollte…

  2. Sarah sagt:

    Tut mir sehr leid, was Euch passiert – von vielen höre ich, dass das leider immer noch die Regel ist, dass man (bzw. eher Frau) in Teilzeit nicht für „voll“ genommen wird. Ein Lichtblick: Ich persönlich darf gerade eine andere Erfahrung machen – trotz Teilzeit (32 Stunden) bin ich befördert worden – und dass nur 5 Monate nach dem Wiedereinstieg. Allerdings: Ich konnte auch nur wieder richtig „durchstarten“, weil mein Mann und ich uns die Verantwortung komplett aufteilen, d.h. auch er arbeitet weniger und bleibt mal zu Hause, wenn unser Sohnemann krank ist.

  3. Julia sagt:

    Tja. Mein Kind ist bald ein Jahr alt. Ich arbeite seit dem Mutterschutz wieder 15 Stunden. Nicht an Doofi-Projekten, sondern mit denselben Zielen wie letztes Jahr auch. Will sagen: meistens hab ich viel zu wenig Zeit für viel zu viel Arbeit. Die meiste Zeit verbringe ich mit delegieren. ;)
    Möglicherweise wird sich das in meiner Zielerfüllung finanziell niederschlagen … so what? Ich seh das so: Die Teilzeitarbeit ist für mich nur eine Methode, dranzubleiben und im Büro nicht vergessen zu werden. Nächstes Jahr werde ich auf etwa 30 Stunden gehen und hoffe, dann auch wieder ein bisschen mehr erreichen zu können.

    Wenn beide Eltern so zwischen 70 und 80 Prozent arbeiten, müsste es doch eigentlich klappen – sowohl mit dem ernsthaften Arbeiten als auch mit dem ernsthaften Elternsein? Hoffe ich bisher, zumindest. Letztlich sind 40 Stunden ja auch nur eine willkürliche Grenze: 60 oder 80 Stunden wären für die Firma noch besser, 20 Stunden sind aber auch schon was.

    Also: nicht ärgern lassen und die Chance der Teilzeit genießen! :-)

    Und noch was: Delegieren kann man auch privat. Vielleicht gibt es ja einen Onkel oder eine Tante oder irgendeinen passionierten Schwimmer im Freundeskreis, der dem Sohn das Schwimmen beibringen kann und dem das sogar Spaß macht?

  4. Jana sagt:

    Ich bin gerade beim Rumsurfen auf den Post gestoßen. Ich kann nicht aus Erfahrung sprechen, weil ich bsiher weder Kind noch Karriere hab (kommt hoffentlich beides noch). Aber: ganz so rosig ist es in Schweden auch nicht. Zwar wird gerne so getan, als ob. Aber ich war nicht grundlos als Au-pair bei einer Familie eingestellt um die Kinder aus der Kita abzuholen. Mutter (PR/Öffentlichkeitsarbeit bei einer großen Firma) und Vater (selbstständig mit IT-Unternehmen) waren nämlich so gut wie nie vor 18 Uhr Zuhause und nciht selten kam auch mal ein Meeting bis noch später dazu… Selbst im gelobten Norden ist’s also nicht perfekt.

  5. Karin sagt:

    Das klingt wirklich frustrierend und unfair.

    Meine 30-Stunden-Teilzeit entwickelt sich immer mehr Richtung 40-Stunden-Vollzeit. Über zu wenig Anerkennung kann ich mich also nicht beschewren. Im Gegenteil: Ich habe zu viele Projekte, um mit 30 Stunden auszukommen. Das Thema Gehaltserhöhung habe ich noch nicht gestestet.

    Momentan verbringe ich den Nachmittag mit meinem Kleinen, wenn ich keine Termine habe. Wenn er abends schlafen geht, gehe ich dann wieder an den Schreibtisch. So kriege ich meine Arbeit geschafft und sehe ihn trotzdem. Prinzipiell gefällt mir die Lösung, so dass ich überlege, auf diese Weise wieder Vollzeit zu arbeiten. Andererseits weiß ich nicht, wie lange sich so ein Modell durchhalten lässt?

  6. Andrea sagt:

    Schade, dass es in der Realität so aussieht. Ich selbst bin hin- und hergerissen, wie ich selbst einmal Familie und Beruf vereinen kann. Auf der Suche nach Informationen bin ich auf folgenden Artikel gestoßen, der die typische erwerbstätige Mutter darstellt http://www.headhunter-light.de/berufstatige-muetter-so-leben-akademikerinnen/. Fühlt ihr euch damit angesprochen oder ist das doch zu stark stereotypisiert?

  7. Ulla sagt:

    Hallo

    ich habe das Problem so gelöst, dass ich mir gezielt einen Nebenjob gesucht habe wo Arbeitszeit und Projekt zu einander passen. Ich bin nicht wieder zurück in die alte Firma, sondern habe neu gesucht und es hat funktioniert. Das habe ich ganz bewusst gemacht, da mir vorher schon klar war, was Teilzeit mit Kind in meiner alten Firma bedeutet und mir auch klar was das mir das keinen Spaß machen wird.
    Das Angebot war groß und zu letzt konnte ich dann die Firma auswählen, die mir gefallen hat.

    Bis jetzt funktioniert alles gut. Ich weis aber auch das das eine Ausnahme war.

    Gruß

  8. Alenka sagt:

    Über die Hälfte aller Frauen kehren übrigens nach Mutterschutz oder Elternzeit in über 60 % nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurück (s. mehr Studienergebnisse hier https://blog.roberthalf.de/fuhrungskrafte/leadership/teilzeit-elternzeit/). Wer hat schon Erfahrungen mit Job Sharing gemacht?

  9. Mareen sagt:

    Das ist wirklich ein Thema worüber man sich den Kopf zerbrechen kann und wahrscheinlich trotzdem nie die optimale Lösung für sich finden wird, vielleicht aber eine akzeptable! Hoffe ich, zumindest! Morgen steige ich nach einem Jahr Elternzeit wieder mit 30 Stunden in meinen altem Job im Marketing ein und bin schon sehr gespannt, wie das alles so klappen wird! Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr wieder zu arbeiten.

    Früh stand für mich fest, dass ich gerne nach einem Jahr mit so viel Stunden wie möglich wieder arbeiten möchte. Nach Auslotung sämtlicher Betreuungsmöglichkeiten und Absprache mit meinem Mann (der kann leider nur 4 Wochen Elternzeit nehmen, da wir auf sein volles Gehalt angewiesen sind), ist mir aber schnell klar geworden, dass es erstmal „nur“ Teilzeit werden wird. Inzwischen bin ich zwar mit der jetzigen Regelung für das erste Jahr nach dem Wiedereinstieg zwar sehr zufrieden, aber die große Frage ist natürlich wie es nun beruflich bei mir weitergehen wird? „Doofiprojekte“ habe ich zumindest für den Wiedereinstieg noch nicht zugeteilt bekommen. Im Gegenteil: Ich bekomme nicht nur die gewünschten „alten“ Aufgaben zurück, sondern noch zwei neue Projekte, die ich von meinem Chef übernehme, der – das ist natürlich auch ein glücklicher Zufall – in Elternzeit geht, wenn ich wieder anfange.

    Ob ich von Kollegen und Vorgesetzten trotz Teilzeit noch als volle Arbeitskraft anerkannt und wertgeschätzt werde, den Flurfunk noch mitbekomme, im Unternehmen weiterkomme und spannende Projekte bekomme, wird sich ab morgen zeigen! Ich werde berichten!

    Gutes Gelingen und einen langen Atem für alle Eltern, die auch in Teilzeit beruflich weiterkommen möchten!

  10. Muc-Mama sagt:

    Liebe Teilzeitmama, ich denke ich mache auch ähnliche Erfahrungen. Ich teile aber meine Stelle mit einem anderen Kollegen (er macht mindestens 3 Projekt gleichzeitig) so dass es arbeitsmäßig gut geht. Ist das Job Sharing? Ein anspruchsvolleres Projekt mit soooo wenig Schlaf war für mich aber bis jetzt nicht zu schaffen.
    Teilzeit-Falle 1: Berechnung der zukünftige Rente: auf die Hälfte reduziert, heisst es: wenn mein Ehemann mich verlässt, blöd für mich.
    Teilzeit-Falle 2: Der Ehemann übernimmt schon 50% des Haushaltes und mind. 35% der Abholtzeiten, also bald tauscht er mich aus, da „die anderen Männer machen doch viel weniger!!“ (O-Ton).
    Teilzeit-Falle 3: Nicht-doffi-Projekte gibt es nur mit Vollzeit. (logisch, oder?…und sorry an die anderen Teilzeit-Mamas). Das rechnet sich öfters finanziell nicht, viele Frauen sitzen bei 400/450€ an der Kasse, weil so mehr in der Familienkasse bleibt (Habe mich selber auch überlegt, Samstags auf 400-Basis zusätzlich zu den 20/25 Wochenstunden es so zu machen).

    Für mich heisst: scheisst drauf! Ich habe nicht was vernünftiges studiert, um dann doch von meinem Mann abhängig zu sein! Aber ich verstehe jede Frau, die sich entscheidet nicht zu arbeiten, um so mindestens die Familie im Griff zu haben.
    Ich versuche dann, wenn mein Kind die Schule anfängt, wieder Vollzeit zu arbeiten, meinen Mann noch mehr zu unterdrücken, mein Kind noch mehr Fremdbetreuung zu zumuten, und erzähle dann zu Ende des Jahres wie uns geht.

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