Kinder, Karriere und eine Schwäche für Latte Macchiato.

Buch "Mütter aus Deutschland" von Autorin Tanya Neufeldt.

Buchtipp: Mütter aus Deutschland von Tanya Neufeldt

Ich treffe Tanya auf der Blogfamilia Konferenz 2019 in Berlin. Wir umarmen uns wie auf einem Klassentreffen. Lange haben wir uns nicht mehr persönlich gesehen, obgleich wir doch gar nicht so weit auseinander wohnen. Es ist fast schon ein typisches Phänomen der großen Berliner Elternbloggerszene. Obwohl man sich „im Netz folgt“ und an den Themen der anderen Anteil nimmt, braucht es oftmals Anlässe wie diese, um sich wieder einmal in die Arme zu fallen. 

Tanya hält die auffällig gelben Flyer zu ihrem neuen Buchprojekt in den Händen. „Mütter aus Deutschland“ heißt es und ich habe die Entstehungsgeschichte mitverfolgt. Schnell liegt mein Smartphone auf dem Tisch, die Ansteckmikrofone werden verkabelt und wir schaffen dieses Interview noch bevor der nächste Vortrag beginnt. 

Liebe Tanya, ich habe einen Flyer von deinem Buch in der Hand, aber ich bin ja schon begeistert. Ich weiß ja längst, worum es geht. Aber lass es uns für alle, die es noch nicht kennen, kurz erläutern. Beschreibe bitte einmal, worum es in dem Buch geht.

Es geht in dem Buch um 30 Mütter, die ich porträtiert habe, die unterschiedlicher nicht sein könnten – in ihrer Herkunft, in ihrem Alter, in ihren Lebenskonzepten, in ihren Herausforderungen, in all dem, was das Leben so mit sich bringt. Und was mein Wunsch war mit diesen 30 Frauen, ist einfach, dass wir alle mal genauer hingucken. 

Wir sind alle Mütter. Wir sind alle unterschiedlich. Wir haben alle unterschiedlichen Herausforderungen. Aber wir sind doch alle gleich. Wir sind nämlich Mütter. Wir wollen das Beste für unsere Kinder. Wir geben das Beste, das wir können – und auch das ist unterschiedlich. Ich würde mir wahnsinnig wünschen, dass, wenn man das Buch gelesen hat, man sich einfach gegenseitig ein bisschen anders anguckt, mit mehr Wertschätzung, offener aufeinander zugeht, sich unterstützt. Und sich einfach inspirieren lässt von anderen Ansichten, Perspektiven, Lebensmodellen. Und vielleicht einfach ein Stück über den Tellerrand guckt.

Was man jetzt aus diesen geschriebenen Zeilen nicht herauslesen kann ist, dass du die ganze Zeit so strahlst, wenn du das erzählst. Wie war das für dich, als du unterwegs warst und die Geschichten eingesammelt hast? Wo warst du überall? Und was für ein Gefühl hat dich dabei begleitet?

Ich strahle, weil dieses Gefühl so unbeschreiblich ist, ehrlich gesagt. Ich war kreuz und quer unterwegs, überall in Deutschland. Ich war im Norden an der Grenze Dänemarks bis ganz im Süden in Bayern. Ich war in den kleinsten Dörfern und in den Großstädten. 

Ich habe wirklich versucht, mit den 30 Müttern die größtmögliche Vielfalt zu zeigen. Das ist natürlich trotzdem nur ein kleines Puzzleteil. Eigentlich reichen 30 Mütter längst nicht, denn wir sind natürlich noch viel unterschiedlicher und vielfältiger, als mein Buch das zeigen kann. Aber ich glaube, ich habe es ganz gut hingekriegt, wenigstens ein paar Puzzleteile zu zeigen. 

Und was mich daran einfach so berührt hat, ist, welches Vertrauen mir entgegengebracht wurde. Ich bin eine wildfremde Frau und sie haben mir die Türen geöffnet, haben mir ihr Haus gezeigt und haben mir ihre Lebensgeschichten erzählt. Das ist einfach so berührend. 

Und ich wünsche mir so sehr für den Leser, dass ihm vielleicht das passiert, was mit mir passiert ist. Dass ich nämlich ganz oft gedacht habe: „Oh, die hätte ich jetzt in eine ganz andere Schublade gesteckt. Mein Gott, bin ich voreingenommen!“ Das hat mich unglaublich motiviert und inspiriert, neu zu gucken, neu zu denken, mir das eine oder andere noch mal mir durch den Kopf gehen zu lassen. 

Und dann kann man ja sich entscheiden. Entweder man sagt: „Das ist zwar nicht mein Weg, aber so kann man es auch machen.“ Oder: „Ach toll, das kann man ja auch so machen. Da nehme ich etwas für mich mit.“ 

Was für eine Erkenntnis, sich aus dieser Unterschiedlichkeit in jedem Fall etwas mitzunehmen. Auch wenn es ganz anders ist, als man persönlich gehandelt hätte.  

Ja, es ist ein Geschenk, solche Erkenntnisse zu haben. Und ich bin dadurch diesen 30 Müttern so dankbar. Das größte Geschenk haben sie, glaube ich, mir gemacht. Das wissen sie gar nicht. Aber das sollen sie wissen, weil sie ganz tolle Frauen sind. Und darum strahle ich so.

Was man auch wissen sollte: An den ersten 1.000 Exemplaren deines Buches hängt noch eine ganz besondere Geschichte dran. Bitte erzähle darüber mal ein bisschen mehr.

Ja, genau. Mir war es wichtig, dass es ein Buch von einer Mutter über Mütter für Mütter ist. Ich wollte den Kreis komplett machen. Ich habe mit Care.com einen ganz, ganz tollen Partner in diesem Buch gehabt. In Deutschland kennt man sie unter dem Namen Betreut.de. Ihr Onlineservice für Betreuung macht es für Familien einfacher, passende Kinderbetreuung, Seniorenbetreuer, Tierbetreuer, Alltagshelfer oder Haushaltshilfen zu finden. Laura Esnaola, die Geschäftsführerin, war sofort Feuer und Flamme und sagte: „Ja, wir machen dieses Buch.“ 

Und dann haben wir gemeinsam überlegt, dass wir gern noch eine andere Art Nachhaltigkeit mit dem Buch schaffen möchten. Wir wollten natürlich andere Menschen gedanklich anregen, im besten Fall auch eine politische Diskussion anregen. Was wir aber auch wollten, war, wirklich etwas weiterzugeben. Laura hat zusammen mit dem International Rescue Committee (IRC) Deutschland das Integrationsprojekt Care Forward gegründet. Dieses Programm bringt geflüchtete Frauen und Mütter zurück in den Beruf. Mit Deutschkursen, mit juristischer Unterstützung, mit Praktika, mit Ausbildung. Sie geben einfach Frauen und Müttern die Möglichkeit, hier wieder auf eigenen Füßen zu stehen und ein Leben anzufangen. 

Care.com hat die Erstauflage meines Buches finanziert und wird 90% der Einnahmen aus dem Verkauf von 1.000 Exemplaren der Erstauflage projektgebunden an IRC spenden. Der Kladde Buchverlag erhält 10%. Pro verkauftem Buch kann eine Ausbildungsstunde für die Frauen im Care Forward-Programm finanziert werden. Darum, kauft dieses Buch. Unterstützt Mütter und Frauen. Lasst euch inspirieren. Und bewegt was! 

Anmerkung: Das Buch kann direkt hier online bestellt werden. Oder ihr kauft es bei der Buchhandlung eures Vertrauens.

Das ist ein tolles Projekt. Wenn du noch einen Wunsch hättest, bei wem dieses Buch unbedingt auch mal auf dem Schreibtisch oder auf dem Nachtisch liegen sollte, wer sollte es unbedingt einmal lesen?

Ich glaube, es müssen ganz viele Väter lesen. Ganz viele Väter, weil sie dann einfach eine andere Perspektive bekommen, auf das, was mit uns Frauen los ist. Es sollten auch ganz viele Human-Ressource-Leute in Unternehmen lesen, um zu sehen: „Ach, so ticken Mütter. Das brauchen sie.“

Ich habe gerade zusammen mit Camilla Rando die Agentur Social Moms gegründet. Wir haben jetzt nur Mütter eingestellt. Und ich kann nur sagen, mit Müttern zu arbeiten ist eine wahre Freude. Die Tür, die sich öffnet, wenn man mit Müttern zusammenarbeitet, kann man sich nicht vorstellen. Sie bringen so viel Empathie, so viel Organisationstalent und noch einmal einen ganz anderen Blick aufs ganze mit. Und ich glaube, um Georg Kofler von der Social Chain Group zu zitieren: „Es ist ein Verlust für die Gesellschaft und es ist ein Verlust für jedes Unternehmen, wenn man Mütter nicht einstellt.“ 

Was für ein Schlusswort! Ich danke dir für das Interview, liebe Tanya.

„Mütter aus Deutschland“ auf Instagram: instagram.com/muetterausdeutschland/
Tanya Neufelds persönlicher Blog: https://www.luciemarshall.com

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Inhaberin von NetWorkingMom.de. Als bekennende Latte-Macchiato-Mama trägt sie nicht nur interessante Netzfundstücke zusammen, sondern plaudert in der Kaffeeküche recht scharfzüngig über die Merkwürdigkeiten, die einem als berufstätige Mutter so begegnen. Mehr Lifestyle und Kinderkram gibt's im Zweitblog www.BerlinFreckles.de

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