Mein Blog über Kinder und Karriere 2.0

"Ach ja, ich hätte auch gern nachmittags frei..." Warum wird Abwesenheit am Arbeitsplatz mit purem Freizeitvergnügen gleich gesetzt?

Ich hätte auch gern nachmittags frei

„Ach ja, ich hätte auch gern nachmittags frei…“ Mit dem Satz, den sich eine berufstätige Teilzeitmutter von ihrem Kollegen anhören muss, als sie das Büro verlässt, beginnt ein Artikel, den ich im Hamburger Abendblatt entdeckt habe. Auf den ersten Blick ist es ein harmloser Satz, doch es steckt ein typisches Vorurteil darin. Dabei möchte man den lieben Kollegen und Kolleginnen, die solche und ähnliche Sätze fallen lassen, nicht einmal Bösartigkeit unterstellen. Doch ein leerer Bürostuhl signalisiert scheinbar, dass es sich jemand woanders sehr gute gehen lässt, während die noch anwesenden Kollegen schlimm schuften müssen. In diesem Fall vielen Dank an Otto.de, bei denen ich mir das zum Blogdesign passende Modell in Orange herausgepickt habe.

"Ach ja, ich hätte auch gern nachmittags frei..." Warum wird Abwesenheit am Arbeitsplatz mit purem Freizeitvergnügen gleich gesetzt?

Die Haltung, die in solchen Sprüchen von Kollegen zum Ausdruck kommt, sagt Coach Ariane Stoff im Artikel ist: „Kinderbetreuung ist ja keine Arbeit, sondern reines Freizeitvergnügen.“ Und da stellt sich die Frage, ob man solche Bemerkungen einfach an seinem dicken Fell abprallen lässt, das man sich als arbeitende Mutter sowieso schon zugelegt hat oder ob man darauf reagiert. Und wenn ja, wie man darauf reagiert. „Sicher kann man sich coole Sprüche zurechtlegen“, wird Ariane Stoff zitiert. „Aber das hilft einem für die Zukunft nicht viel.“ Mir hat mal eine berufstätige Mutter erzählt, dass sie schon hin und wieder genau solche Sprüche hört, wenn die nachmittags um 15:30 Uhr das Büro verlässt. Wenn sie ein „Ach, du gehst schon?“ hört, antwortet sie jetzt standardmäßig mit: „Wirklich früh, nicht wahr? Apropos früh. Heute morgen um 8:00 Uhr habe ich dich hier noch nicht gesehen…“.
Coach Stoff rät allerdings dazu, auf die Sachaussage im Satz zu reagieren – statt auf den möglicherweise mitschwingenden Vorwurf. „Dann nimm dir doch mal einen halben Tag frei!“, könnte eine Antwort lauten. Oder: „Ja? Was würdest du denn an dem Nachmittag machen wollen?“

Ich habe den Satz – soweit ich mich erinnere noch nicht gehört, was aber nicht heißt, dass er nicht schon in meiner beruflichen Karriere gefallen ist. Denn wer weiß schon, was im Büro geredet wird, wenn sich die Mutter ins nachmittägliche Freizeitvergnügen mit den Kindern stürzt und vorher schnell noch – weil es so entspannend ist und extrem Spaß macht – einen Behördengang erledigt und im Supermarkt einkauft?

Aber wie hätte ich reagiert? Je nach Tonfall hätte ich wahrscheinlich diesen Kollegen oder die Kollegin eingeladen, mich an meinem entspannten Nachmittag zu begleiten, wenn er auch so gern frei hätte. Schließlich kann er ja die am Nachmittag verlorene Zeit problemlos an einem anderen Tag nacharbeiten, da keine Erzieherin aus dem Kindergarten anrufen wird, ob man denn seine Kinder vergessen hätte.

Suchanfragen, unter denen dieser Artikel gefunden wurde:

Inhaberin von NetWorkingMom.de. Als bekennende Latte-Macchiato-Mama trägt sie nicht nur interessante Netzfundstücke zusammen, sondern plaudert in der Kaffeeküche recht scharfzüngig über die Merkwürdigkeiten, die einem als berufstätige Mutter so begegnen. Mehr Lifestyle und Kinderkram gibt's im Zweitblog www.BerlinFreckles.de

6 Comments

  1. Ich finde, es geht hier eigentlich nicht wirklich um das Thema Teilzeit, sondern vielmehr darum, wie und wann man seine Freizeit verbringt und wie man sich dafür organisiert. Bislang habe ich mit Kind Vollzeit gearbeitet, aber z.b. nur an 2 Tagen pro Woche „open-end“. Am „Tanztag“ gehe ich dafür um 15 Uhr.
    Man sollte sich vor Augen halten, dass man für seine Arbeit und leider immernoch mehrheitlich auch für seine Anwesenheitszeit bezahlt wird – egal, ob man Vollzeit oder Teilzeit arbeitet. Es ist also unerheblich, wann ich nach Hause gehe, sofern ich meine individuelle vertragliche Pflicht erfüllt habe.

    Ob man dann Kinderbetreuung als Arbeit oder Freizeit ansieht, ist jedem selbst überlassen. Für mich persönlich gehört dieser Teil des Tages zur Freizeit (na ja, außer vielleicht das allabendliche Einschlaftheater), und m.E. gehört es sich auch nicht, kinderlosen Kollegen vorzuhalten, wie viel entspannter doch deren Feierabend sei. Das liegt schließlich immer im Auge des Betrachters.

  2. Ich habe noch nie Teilzeit gearbeitet und in den Jobs, die ich hatte, gab’s das auch nicht für andere Frauen, deswegen kann ich nur theoretisch etwas zu dem Thema beisteuern. Meine spontane Reaktion beim Lesen war, ich würde wohl bissig kontern „Ich habe nie frei!“, und hinzufügen, dass ich 24/7 für die Kinder da bin, ob ich das will oder nicht. Aber das hilft ja der Position der berufstätigen Mutter nicht. Wahrscheinlich ist Schweigen besser, oder mild lächeln.

    Herzlich, Christine

  3. Zum Glück habe ich bisher in Teams gearbeitet, wo auch Männer den Rhythmus „früh bis früh“ hatten und sogar auch teilweise Teilzeit gearbeitet haben. So war das früher gehen kein reines Mütter-Thema, was ich sehr angenehm fand. Trotzdem wurden immer wieder Meetings nach fünf angesetzt. Damit bin ich immer offen umgegangen und habe darum gebeten die vorzuverlegen, wenn ich etwas Wichtiges beizutragen hatte. Das hat mal funktioniert und mal nicht, war für mich aber der Weg mit dem ich mich am wohlsten gefühlt habe. Tja und jetzt als Freiberuflerin guckt sowieso keiner mehr blöd. :-)

  4. Meine Erfahrung ist, dass es auch bei Kinderlosen in Deutschland verpönt ist, Teilzeit zu arbeiten (und die Kollegen den Rest des Tages im Stich zu lassen). Dass man vielleicht auch in weniger Zeit effektiv sein kann und eine andere Arbeits-Lebenszeit Einteilung hat ist noch nicht überall angekommen. Leistung wird mit Anwesenheit verwechselt.

  5. Ich bin gerne Mama, gebe ich zu, aber so ganz auf meine Karriere will ich nicht verzichten. Ich verdiene mehr als mein Mann deshalb hat er sich dann nach einem Monat die Elternzeit gegönnt so das ich arbeiten konnte.
    Ich hoffe deswegen bin ich keine schlechte Mutter

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Das Neueste von Beruf und Familie