Mein Blog über Kinder und Karriere 2.0

Schreibtisch mit Hand, die einen Stift hält (Foto: Pixabay, CC0)

Teilzeit-Mutter: Auch wenn man alles richtig macht, ist es nicht gut.

Was mich an Teilzeit stört, ist ein Problem, das auch der beste Arbeitgeber nicht lösen kann. Mit diesen Worten startete die Gastautorin dieses Beitrages ihren Kommentar unter meinem Artikel „Ein paar persönliche Worte über Teilzeit…“. Ich schrieb ihr eine E-Mail und erzählte ihr, dass die Kaffeeküche auf meinem Blog der Ort sei, wo nicht nur ich mich auch mal so richtig schön aufregen darf und ganz subjektiv meinen Frust rauslassen kann, falls es nötig ist. Auch Gastbeiträge (auf Wunsch auch anonym) dürfen jederzeit für die Kaffeeküche eingereicht werden. Sie nahm das Angebot an:

Als Ann-Marie Slaughter, damals rechte Hand von Außenministerin Hillary Clinton,  eine Beförderung angeboten bekam, von der sie schon immer geträumt hatte, zögerte sie. Da war nur eine Kleinigkeit. Ihr Sohn war als Teenager mit Dingen beschäftigt, die ihr nicht recht gefielen. Sie hielt es nicht für besonders förderlich, unter der Woche in Washington zu sein und nur am Wochenende zuhause. Ihr Mann hatte zwar die Familienarbeit unter der Woche übernommen. Doch auch das konnte ihr die Entscheidung nicht abnehmen. Sie fehlte zuhause. Sie fand, sie müsste da sein. Sie hat die Stelle abgelehnt. 

Die Gefühle, die sie beim Ablehnen der Stelle geplagt haben, hat sie in einem Artikel zusammengetragen, der in The Atlantic veröffentlicht wurde. Sie hat damit mehr Wirbel ausgelöst, als ihre Juratexte zuvor. Hillary Clinton fand zwar das, was sie bei Ann-Marie Slaughter als Jammern empfand, etwas unter dem angemessenen Niveau, aber die Debatte war da. 

Hier der Link zum Artikel „Why Women Still Can’t Have It All“ von Ann-Marie Slaughter in The Atlantic:
https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2012/07/why-women-still-cant-have-it-all/309020/

Ich bin Ann-Marie Slaughter. Auf einem völlig anderen Niveau. Irgendwo weit drunter. Ich habe eine Klasse übersprungen, zwei Schulabschlüsse gemacht, 2,5 Jahre im Ausland gelebt, spreche 4 Sprachen, habe promoviert und überhaupt offiziell erstmal alles vermeintlich richtig gemacht, um eine „Karriere“ zu ermöglichen. So bin ich auch direkt nach der Uni und mit leeren Taschen in einer amerikanischen Großkanzlei gelandet. Die einzigen Frauen über 40, die sich dort noch gehalten hatten, waren bekannt als bissig und in einstelliger Zahl vorhanden. Wenn man es genau nimmt, gab es eine, die unter all den Männern Karriere gemacht hatte. Sie war Partnerin, freilich keine Equity Partnerin und damit nicht direkt am Kuchen der Männer beteiligt. Kinderlos war sie natürlich trotzdem und damit ein tolles Vorbild für nichts. 

Unter den vielen Männern – einer der Chefs hatte Muhammed Ali, wie er in Kingshasa über Joe Frazier seine Faust ballt, hinter seinem Schreibtisch hängen – kam ich mir teils reichlich deplaziert vor. Trotzdem hatte ich einige Jahre durchgehalten. Klar war, dass die Arbeitsweise weder für irgendein Privatleben noch für eine langfristige Perspektive taugt. Aber das war zu dem Stadium kein völliges Ausschlusskriterium. Ich stand am Anfang von meiner Berufstätigkeit. Nachdem ich es leid war, oft bis um Mitternacht im Büro zu sein, bin ich zu einer Bundesbehörde gegangen. Die schien mir mit einem glaubwürdigen Arbeitszeitsystem zu arbeiten und die Arbeit klang inhaltlich vielversprechend.

Eine Bundesbehörde ist bekanntlich ein guter Arbeitgeber, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht. Ich habe erst einmal einige Jahre dort gearbeitet. Als ich den 37. Geburtstag hinter mir gelassen hatte, dachte ich bei der Kinderfrage: Jetzt oder nie. Jetzt hat geklappt. Und gleich nochmal. Sehenden Auges haben wir zwei Kinder innerhalb von 20 Monaten bekommen an einem Ort, an dem die nächste Verwandtschaft mehrere 100km weit weg ist.

Das hat den üblichen Stress ausgelöst, den man überall nachlesen kann. Männer arbeiten Vollzeit, Frauen sind in Elternzeit, ein kleines Kind schreit, nun bei mir war es: zwei kleine Kinder schreien, wenig Schlaf, man kann kaum einen Gedanken zuende denken, so müde ist man. Das Gefühl von Einsamkeit habe ich mit regelmäßigen Treffen während der Mittagspause von Bekannten und Kollegen abgemildert. Die Sandkastenbekanntschaften kamen nicht gut genug in Gang. Über die Trinkmenge anderer Kleinkinder wollte ich einfach nicht ständig reden, auch wenn ich nichts gegen Small Talk habe. 

Als ich aus der Elternzeit zurückkam, sagte ich zu meinen Arbeitgeber: ich komme mit x Stunden, ich arbeite davon y Stunden im Home Office und an den folgenden Tagen wären die Präsenztage ideal. Mein Arbeitgeber hat gesagt: Das ist in Ordnung. Ein Traum! Oder nicht? 

Wie Ann-Marie Slaughter spreche ich also von einem sehr hohen Niveau aus. Ich habe eine Festanstellung. Ich habe Teilzeit ohne Murren erhalten. Ich habe teilweise Home Office! Mein Büro war nicht auf magische Weise abhanden gekommen, als ich am ersten Tag nach der Elternzeit wieder da war. Eine Freundin, die Rechtsanwältin in einer großen Kanzlei war, hatte auf diese Weise ihr Büro verloren und stand am ersten Tag erstmal ziemlich dumm da.

Ich war auch euphorisch. Über Gespräche mit Erwachsenen über nicht-Kinderthemen habe ich mich richtig gefreut. Gut, bei Dienstreisen musste ich meistens passen, aber ich habe mich mit allem Positiven getröstet: Festanstellung, Teilzeit, Home Office! Gespräche mit Erwachsenen! Alles schien perfekt.

Natürlich ist im Büro nicht alles perfekt, aber das ist genauso normal für alle mit oder ohne Kinder, wie es für arbeitende Eltern normal ist, morgens schreiende Kinder verräumt zu haben und nach 3h Schlaf auf der Arbeit zu sein. Kollegen ohne Kinder werden öfter ausgeschlafen auf der Arbeit erscheinen als Kollegen mit. Sie werden an jedem Symposium, jeder mehrtägigen Fortbildung in einer anderen Stadt, jedem Vortrag, der etwas links oder rechts der Spur liegt, teilnehmen können. Sie werden immer präsenter sein. Sie werden am Nachmittag Ansprechpartner bleiben und daher andere Projekte bearbeiten. 

Hat man jemanden geheiratet, der weiterhin Vollzeit arbeitet und seinerseits ein klein wenig Karriere gemacht hat, also mit Dienstreisen und vielen Terminen belastet ist und hat man keine Großeltern vor Ort, dann fallen Vorträge, Symposien, mehrtägige Fortbildungen und weitestgehend interessante Aufgaben für das andere Elternteil überwiegend weg. Das andere Elternteil bin ich. 

Aber Festanstellung, Teilzeit, Home Office!

Arbeitet man in Teilzeit, fallen viele Dinge auf der Arbeit weg. Arbeitet man Vollzeit, sieht man seine Kinder allenfalls noch zur Stresszeit am Abend, wenn alle müde sind. Dann bleibt aber keine Energie für „Erziehung“ oder „Beziehung“. 

Teilzeit muss also die Lösung sein, oder nicht? Für Kinder ja. Für die Arbeit nein. In Teilzeit bleibt Vieles auf der Strecke für die Arbeitskraft: zB die rasche Einarbeitung in ein neues (Denk-)Gebiet, die Teilnahme an allem, was für die Einarbeitung und das Dranbleiben sinnvoll wäre (Vorträge, Symposien, Fortbildungen). Als Teilzeitkraft bin ich weniger gut aufgestellt. Ich bin am Nachmittag kein Ansprechpartner mehr. Ich kann bestimmte Vorgänge, die auch noch am Nachmittag besprochen werden sollten, weil ein Durchlauf wegen Terminierungen sinnvoll ist, nicht bearbeiten und hänge an den weniger wichtigen Dingen, die inhaltlich natürlich auch kaum interessant sind.

Teilzeit ist für mich nichts Ganzes und nichts Halbes. Ich mache es trotzdem. Es trägt immerhin zum Familieneinkommen bei. Ich bin bis zur Geburt der Kinder eine ganz andere Mitarbeiterin gewesen. Ich war für alle zu jeder Zeit ansprechbar. Ich war im Thema. Ich war überall dabei. Nun bin ich seltener da. Ich bin oft müde und tue so, als wäre ich es nicht. Ich kann mich aber deswegen schlechter konzentrieren. Abends habe ich ein volles Programm und kann den Tag nicht auf irgendeine Weise ausklingen lassen oder mich ausruhen (seit den Geburten eine interessante Vorstellung!). Am Morgen hatte ein Kind eventuell bereits einen Schreikrampf. Ich komme erschöpft zur Arbeit. Und es geht wieder los. 

Ich bin nicht mehr dieselbe. Ich glaube auch für die anderen nicht. Meine 10 Jahre jüngere kinderlose Kollegin vertritt unser Team, wenn der Chef nicht da ist. Sie hat ein paar Jahre Berufserfahrung, ich ungefähr die dreifache Anzahl an Berufsjahren. Ich bin aber am Nachmittag nicht da. 

Teilzeit ist unbefriedigend. Vollzeit geht aus einigen Gründen für mich schon organisatorisch nicht. Also zähle ich mir auf, jeden Tag: Festanstellung. Teilzeit. Home Office! Ist doch toll. Seufz.

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Inhaberin von NetWorkingMom.de. Als bekennende Latte-Macchiato-Mama trägt sie nicht nur interessante Netzfundstücke zusammen, sondern plaudert in der Kaffeeküche recht scharfzüngig über die Merkwürdigkeiten, die einem als berufstätige Mutter so begegnen. Mehr Lifestyle und Kinderkram gibt's im Zweitblog www.BerlinFreckles.de

20 Comments

    • Ein toller Artikel. Das gilt auch in vollzeitnaher Teilzeit bei anderen und mir.
      Heutzutage muss man als Führungskraft Vollzeit (immer verfügbar) arbeiten. Das geht einfach nicht mit Kindern, wenn man sie sehen and anwesend sein möchte. Und ich will es nicht mehr. Daher habe ich jetzt kein Team mehr mit dem zweiten Kind.
      Die Lösung ist nur anerkannte Führung in Teilzeit.
      Ich sage es mir auch immer: Home-Office, Festanstellung, guter Arbeitgeber, Verantwortung als Individual Contributor.
      Tief im meinem Herzen möchte ich aber wieder mehr Verantwortung und Impact. Und Zeit mit den Kindern.

  1. Aus dem Herzem geschrieben! Vielen Dank. Ich klage auch auf hohem Level fühl mich aber trotzdem überall, das ich nicht 100% geben kann. Egal ob in Teilzeit, bei meinen Kindern, im Haushalt (ach da geht doch noch das Mail vom Home Office aus..) etc.. Seufz..

    • Danke Nathalie für Deinen Kommentar zu meinem Text. Ich grüble die ganze Zeit über eine Lösung nach. Innere Einstellung verändern rufen die Artikel in jeder Frauenzeitschrift. Mehr arbeiten rufen die, die es tun und damit zufrieden sind (was bei mir organisatorisch nicht machbar ist); weniger arbeiten die anderen. Hast Du für Dich irgendeine Lösung gefunden? LG

  2. Ja, ja, ja. Genau so! Ich auch: „Karriere“ im öffentlichen Dienst, immer da, immer vorne.
    Dann 2012 Zwillinge. Einer davon mit Beeinträchtingung.
    Theoretisch: Führungsposition auch in TZ möglich. Nicht! Zumindest praktisch nicht. Wenn es wirklich wichtig wird, bin ich nicht da. Noch nicht. Oder nicht mehr. Oder muss los, Kids abholen. Verständnisvolles Nicken. Aber ich bin raus aus dem Inner Circle.
    Und ich glaube, bin überzeugt: es gibt keine Lösung. Es geht einfach nicht. Nicht in verantwortlicher Position. Schade, aber meine Priorität ist klar.

    • Hallo Bea, wenn ich mich so in meinem Bekanntenkreis umschaue, dann klappt die Arbeitswelt, wo beide zufrieden zu sein scheinen und vor Stress nicht umkippen, d.h. beide vor 17 Uhr (idR beide) zuhause sind, vor allem bei -Männer-berufen mit großer zeitlicher Flexibilität ohne Personalverantwortung. Denn wenn er ausgleichen kann (als Frau: „Heute brauche ich 40min mehr. Kannst Du die Kinder abholen, ich komme dann direkt nach hause.“), dann klappt es offenbar etwas besser. Frau hat den Eindruck, auch was zu schaffen, sie muss nicht nur wegen der Uhr mit dem Text aufhören und fühlt sich deswegen beruflich auch anerkannt(er). Manchmal schwant mir, dass es für eine gut ausgebildete Frau im Hinblick auf Kinder am Besten ist, einen Mann zu haben, der keine Personalverantwortung hat und wo es in Bezug auf die Arbeit nicht entscheidend darauf ankommt, ob er noch zwei Stunden länger vor Ort ist. Nur auf wieviele Stellen trifft das schon zu? Und was hilft mir die Erkenntnis schon, wenn man nicht in so einer Situation ist und als bspw. Mitarbeiterin im öffentlichen Dienst „logischerweise“ immer die ist, die den Nachmittag wuppt (Ausnahmen inbegriffen).

      Ich finde den Ruf nach „gesellschaftlicher Veränderung“ oder „Veränderung der Arbeitswelt“ schön und gut; klasse, wenn es irgendwann mal passiert. Aber was bringt mir das jetzt für mein Leben im Hier und Jetzt?

      Fazit wäre also: innere Einstellung ändern und zufrieden sein. Mir scheint das trotz viel Übung („Teilzeit! Home Office! Festanstellung!“) nicht besonders gut zu gelingen. Meine Priorität liegt natürlich auf den Kindern (klassische Priotätenverschiebung nach den Geburten, die man vorher gar nicht einschätzen kann). Aber ich finde die krasse Veränderung auf der Arbeit trotzdem jeden Tag sehr spürbar und wenig witzig.

      Vielleicht einfach weiterüben? Positive Affirmations? Aufzählen, was alles gut ist? Listen erstellen? Oprah über den Sinn des Lebens philosophieren zuhören (kinderlose Milliadärin nebenbei bemerkt ;-))? Yogalehrer oder Coach werden? Das scheint hier der ultimative Ausweg vieler Frauen zu sein, was ich nachvollziehbar finde (zeitliche Flexibilität benötigt), aber auch irgendwie ein wenig traurig…

  3. Voll aus dem Herzen geschrieben! Lieben Dank. Irgendwie komisch und doch gut zugleich, zu wissen, dass man mit diesem Gefühl nicht alleine ist – es so vielen so geht. Auch ich, öffentlicher Dienst, Festanstellung, Teilzeit, ab und an Home Office + Mann in Vollzeit mit Außendienstgeschäften/Dienstreisen + fehlendes Interesse der Großeltern an unserem Leben teilzuhaben…
    – jaaaa, Jammern auf hohem Niveau, aber auch wir dürfen das mal.
    Auch ich könnte eine kleine Führungsposition übernehmen – müsste sie nur annehmen. Aber auch ich bin ab 14 Uhr nicht mehr im Büro – ehrlich, in den 2 Std danach passiert gefühlt so viel, dass ich morgens erstmal ein Update brauche. Und nein, so möchte ich keine Führungsposition haben…
    Auch meine Prios sind mittlerweile klar – weg vom Workaholic hin zum Familienmenschen. Meine Kinder (und natürlich auch mein Mann) sind mir so viel wichtiger (geworden), das wird ein Traumjob nie aufwiegen können – kann ich mir zumindest nicht vorstellen.
    Eine Lösung für den Moment habe ich nicht, ich übe mich in Geduld und warte.
    Bis die Mädels größer sind, der Schultag (so blöd es klingt) länger wird.
    Dann vielleicht. Dann arbeite ich vielleicht wieder etwas mehr. Dann nehme ich die Führungsposition vielleicht an. Vielleicht.
    Vielleicht aber auch nicht ;-) Denn die dann „frei werdenden“ Zeitfenster könnte ich auch nur allzugut und gern für mich nutzen, zum Auftanken, Entspannen, am gesellschaftlichen Leben wieder mehr teilhaben… Ich sag ja, vielleicht.
    Also vermutlich dann doch eher nicht :-) Denn ja, ich arbeite um zu leben und lebe nicht (mehr) um zu arbeiten.

  4. Ich kann vieles sooo sehr nachfühlen!
    Es kommt aber mit Sicherheit auch immer auf den Arbeitgeber und das Berufsfeld an. Ich bin nach meiner Elternzeit (während der habe ich nebenbei ein Studium abgeschlossen, mit arbeitendem Partner und Kleinstkind ohne Krippenplatz, nie wieder würde ich das tun. Ich habe meine BA-Arbeit im Prinzip in einer Woche geschrieben, in der er Urlaub hatte – der dann natürlich auch für ihn null entspannend war – gefühlt ohne zu schlafen) in Teilzeit zum gleichen AG wie vorher zurück gekommen, allerdings in einem neuen Bereich, da es meinen alten nicht mehr gab.
    Dort habe ich auch gleich die Leitungsposition bekommen, obwohl es (neue) Bewerber in Vollzeit gab. Funktioniert auch nur, weil ich im Home Office arbeiten kann und im Prinzip immer und überall telefonisch erreichbar bin. Auf dem Weg zur Krippe. Beim Müslianrühren oder Badewanne-Einlassen.
    Ich arbeite bei einem privaten Träger der Kinder-und Jugendhilfe, vollstationär, Schichtdienst. Mein Team ist neu und jung und muss eingearbeitet werden, während ich selbst noch am rudern bin, den für die Firma komplett neuen Bereich zu erfassen.

    Ich merke, dass mich das bestimmt doppelt so viel Zeit kostet, wie es vor der Geburt getan hätte. 60 – 80 Stunden Woche, Innovative Projekte, Networking, Haupt- und Ehrenamt und dennoch ein Privatleben hatte damals hin gehauen. Am Limit, aber spannend, die gute Art von Stress.
    Dazu kommt, dass jede Überstunde, jeder außerplanliche Termin, jedes Einspringen für kranke Kolleg*innen nicht nur auf meine Kosten geht, sondern auch auf die meines Partners und meines Kindes.

    Meine „Freizeit“ – aka. wenn das Kind in der Kita ist und ich zufällig keine Schicht habe oder das Kind schläft – verbringe ich mit E-Mails und Orga für den Job. Außerdem Privat-Orga, Einkaufen irgendwo noch reinquetschen, beim Putzen bin ich mitlerweile seeehr großzügig. Da wirklich eigenes Privatleben jedes Mal mit Orga verbunden ist („Holst du sie dann ab?“ „ists ok wenn ich ab 19 Uhr weg bin oder musst du auch noch Arbeitssachen vorbereiten?“) fällt es häufig auch flach. Die Energie dafür gibt es nicht mehr.

    Das wirklich positive:
    Die Firma, in der ich arbeite, beschäftigt ca. 100 Mitarbeiter*innen und ist glücklicherweise geprägt durch flache Hierarchien und ein familiäres Klima. Ich habe das Glück, dass meine Arbeitgeber mich kennen und schätzen und die Firma einfach aufgrund ihres Arbeitsbereichs innovativ und sozial ist (sein muss). Ich kann, wenn es nicht anders geht, mein Kind einfach mit zum Termin mit der Geschäftsführung nehmen. Zwei der drei GF sind selbst Eltern, ebenso viele der Kolleg*innen. Alle in Führungsposition arbeiten im Prinzip rund um die Uhr und sind auch um 22 Uhr noch erreichbar, wenn es etwas wichtiges gibt. Wie gesund das ist, sei dahin gestellt – im sozialen Bereich ist es jedoch eher die Regel als die Ausnahme. Ich habe einen kurzen Weg zur Arbeit und wenn es „brennt“ kann ich schnell kommen.

    Dennoch vermisse ich am meisten die Flexibilität meinerseits. Spontan die Nachtschicht übernehmen ist einfach nicht drin. Das ist für mich persönlich teilweise sogar hilfreich, da ich gar nicht in die „Ja mein Gott, dann mach ichs halt, ich bin ja schließlich die Leitung“ – Falle tappen kann wie manche meiner Kolleg*innen. Um mein Team bei Laune zu halten, muss ich aber dafür in der Zeit, in der ich anwesend bin, mindestens 100% geben. Wie im obrigen Artikel erwähnt, gar nicht so einfach, wenn das Hirn spätestens nach dem Kleinkind-Schreikrampf am Morgen nur auf 10% läuft.

    Ich hoffe darauf, dass das Kind einfach schnell älter wird. Ein zweites Kind zu haben kann ich mir geplant momentan überhaupt nicht vorstellen, es sei denn mein Partner gibt seinen Job auf und ist Hausmann und ich kann nach 2 Monaten wieder arbeiten gehen. Mir fehlt sonst ein dermaßen großer Teil meiner Persönlichkeit, dass ich bei nochmaligem 1Jahr-Zuhause-sein völlig durchdrehen würde. All die Rückmeldung, das Erfolgsempfinden, das Reden mit Erwachsenen, das Finden von Lösungen für Probleme die größer sind als „warum, verdammt, willst du nicht die Zähne putzen?“ hat mir wahnsinnig gefehlt. Es wieder zu erhalten geht auf volle Kosten meiner Freizeit, aber das ist es mir wert. Noch. Und weil absehbar ist, dass es besser wird. Ein weiteres Kind würde alles wieder auf 0 setzen, so kalt und gefühllos das klingt.

    Denn das Problem in meinem Arbeitsbereich ist nicht die reduzierte Stundenzahl an sich, sondern die Tatsache, dass es privat keine Erholungsmöglichkeit gibt und spontane Einsätze meinerseits immer auch die Tagesstruktur meines Partners und Kindes betreffen. Das Problem ist für mich eher ein strukturelles (keine Kita ganztags/täglich) und ein gesellschaftliches („OMG ihr habt sie schon mir 14 Monaten in die Krippe gegeben für drei Tage die Woche?“). Man muss dazu sagen: würde im sozialen Bereich eine andere Tagesstruktur vorherrschen, würde vermutlich jeder der im Beitrag oben genannten Punkte auch auf mich zutreffen. Im Moment kommt es mir quasi zu Gute, dass fast alle Gesprächs- und Kooperationspartner halt auch samstags erreichbar sind. Oder um 22 Uhr. Oder um 06:30.
    und – vielleicht am wichtigsten : Dass mein Partner auch nur noch Teilzeit arbeitet.

  5. Hat hier echt noch niemand in den Kommentaren gefragt, warum EIN Elternteil Dienstreisen machen kann, während der ANDERE offenbar um 14 Uhr zu Hause sein muss? Ich kapiere das nicht. Und versuche jetzt, ganz unsarkastisch zu bleiben.
    Zwei Kinder, ein Schulkind, ein Baby. Zwei Eltern, zwei mal 6 Monate Elternzeit, die wir gemeinsam genommen haben – so konnte einer seine/ihre Doktoranden weiter betreuen, und seine/ihre Projekte weiterführen, und der andere Elternteil konnte eine neue Stelle suchen. Beide konnten gemeinsame Zeit und Zeit mit den Kindern haben. Baby ab 4 Monate in der KiTa, hat schon beim älteren Geschwister gut geklappt, seit Baby 7 Monate ist, arbeiten wir beide 100%, einer in der Uni-Medizin, einer in Finance. Unser Baby hat keine Präferenz für einen Elternteil und keiner von uns beansprucht das Kompetenzgebiet Kind/Haus für sich. Ebenso beansprucht keiner ein Recht auf Dienstreise, sondern jede wird abgesprochen und wir sind beide nahezu gleich viel unterwegs.
    So, wer von beiden ist jetzt die Frau? Kann man gar nicht rauslesen – hoffe ich.
    Der Kicker dabei ist aber: Trotz dieser absoluten Augenhöhe ist es knochenhart! Wir kennen beide die angesprochenen Probleme. Und doch noch Teilzeit zu arbeiten ist noch nicht vom Tisch. Allerdings sicher nicht, damit EINER von uns sich beruflich weiter entwickeln kann.
    Ich wünsche mir, dass alle Mütter 50% care Arbeit vom Vater einfordern – denn wenn sie das nicht tun, hat der Vater mir gegenüber einen niemals einzuholenden Vorsprung im rat race. Standortvorteil Hausfrau, um es mal zugespitzt zu formulieren. Und dann wird sich auch nie etwas ändern an unseren kulturellen Konventionen am Arbeitsplatz. Die AUtorin schreibt „Kollegen ohne Kinder werden (…) an jedem Symposium, jeder mehrtägigen Fortbildung in einer anderen Stadt, jedem Vortrag, der etwas links oder rechts der Spur liegt, teilnehmen können.“ sagt aber auch, der Vater arbeite 100% und mache Dienstreisen. Also müsste es im Text korrekter ggf. heißen „Kollegen ohne Kinder oder solche, die sich nicht zumindest 50% um ihre Kinder kümmern müssen…“. Oder?

    • Hallo Kris,
      ich bin die Autorin des Artikels. Danke für Deinen Kommentar!

      Was du beschreibst, ist genau das, was mir bei meiner Antwort an Beas Kommentar durch den Kopf ging. Wie muss die Arbeit des anderen (idR des Mannes) gestaltet sein, damit die care Arbeit für die Familie möglicher wird. Ich bin gespannt, wie sich die Arbeitswelt hier entwickeln wird. Die Zukunft wird mir für meine jetzige Situation allerdings nicht viel bringen. Aber derzeit ist es so, dass mein Mann (der Vater unserer zwei Kindergartenkinder) eine Führungsposition mit einer dreistelligem Personalzahl hat. Ich arbeite im öffentlichen Dienst und habe insoweit das Kippen der care Arbeit zu meinen „Ungunsten“ (allein aus Arbeitssicht gesprochen) selbst „verschuldet“, da ich weniger verdiene (was aber auch bei Vollzeit so bleiben würde). Ich habe also den „Fehler“ gemacht, überhaupt zum öffentlichen Dienst zu gehen. Als Anwältin mit Arbeitszeiten bis spät in die Nacht hätte ich aber wohl erst gar keine Kinder bekommen; wäre also sicher grundsätzlich mal viel gleichberechtigter, allerdings aber wahrscheinlich auch kinderlos geblieben.

      Mein Mann macht und tut, wo er kann, würde ich sagen. Allerdings gibt es Realitäten bei einer zahlenmäßig hohen Personalverantwortung, die großen zeitlichen Einsatz erfordern (z.B. alleine schon, um diese überhaupt zu sehen, also Gespräche mit Mitarbeitern an verschiedenen Standorten in der Republik führen zu können etc.). Wenn also 15 Gespräche terminiert sind mit ca. 20 Personen, ein Kind bei uns krank wird und ich einen Vermerk fertig schreiben muss, der aber keine Frist hat, kippt die Abwägung, wer was erledigt, dann von der Perspektive der Arbeit zu meinen Ungunsten.

      Was wäre also die Lösung in meinem Leben gewesen, um es jetzt anders einzurichten zu können?

      Wahrscheinlich ist es immer ein Vorteil, wenn man sich die Umstände so plant, dass es leichter möglich ist, alles miteinander zu verbinden. Dann würde man wohl in der Nähe von Großeltern wohnen bleiben, beispielsweise. Ich sehe, dass viele, die vorher weniger flexibel waren (d.h. nicht zum Studieren weit weg sind, nicht bereit waren, in mehreren Städten zu arbeiten), jetzt in der Situation mit Kindern viel größere persönliche Freiheiten genießen, denn oftmals können dann Großeltern, so sie denn willens sind, einspringen und wie eine Rund-um-die-Uhr-Nanny ausgleichen und insbesondere Engpässe auffangen.

      Eine Frau mit beruflichen Ambitionen (wenn man es so nennen will) tut also vielleicht gut daran, mit jemandem zusammen zu sein und Kind/er zu bekommen, der beruflich weniger stark eingebunden ist oder strukturell anders arbeitet. Damit diese Person sich ebenfalls noch mehr einbringen kann und die care Arbeit zu zumindest ähnlichen Teilen erbracht wird.

      Ich sehe es grundsätzlich genauso, dass man Gleichberechtigung zuhause einfordern muss. Ich sehe allerdings, was die Arbeit und den Einsatz dort angeht, auch die machbaren Grenzen, in denen wir in der aktuellen Struktur der Arbeitswelt (noch?) leben.

      Es gibt im Englischen den schönen Satz „Something’s gotta give.“ Vielleicht muss ich wirklich „einfach nur“ meine Einstellung ändern, um mit der Gesamtsituation meinen Frieden schließen zu können. Vielleicht habe ich ja nach allgemeiner Auffassung sogar „Karriere“ gemacht. Es kommt da ja immer auf den Standpunkt an. Es fühlt sich für mich allerdings nicht so an, gebe ich zu.

      Vielleicht ist es einfach nicht möglich, beides zufriedenstellend zu verwirklichen, da der Tag nunmal nur 24h hat.

      Im nächsten Leben werde ich ein Mann, der auf 80% Teilzeit runter geht.

  6. Bei uns ist es so: ich bin gut verdienende Freiberuflerin, mein Partner ist Beamter. Er nimmt gerade 10 Monate Elternzeit, ich zwischendurch immer mal eiben meiner insgesamt 4 Monate. Da ich teils von zuhause aus arbeite und teils vor Ort beim Klienten, bin ich durchschnittlich 5 Tage im Monat unterwegs vor Ort beim Kunden. Mein Partner und unser 7 Monate altes Baby reisen mit, wenn es mit Übernachtung ist. Alles soweit gut und schön, ich kann insgesamt viel Zeit mit dem Baby verbringen, was mir sehr wichtig ist. Aber. Dieses Modell wird sich radikal ändern, wenn das Baby 1 Jahr alt wird.
    Mein Partner hat angekündigt, dass er wieder 100% Vollzeit arbeiten will und wird. In seiner Vorstellung soll das Baby 5 Tage/Woche 9 h lang in die Krippe. Ich finde das absolut unzumutbar, da es ein ziemlich sensibles Kind ist, das bei Lärm und sozialer Interaktion mit mehreren anderen Babies gleichzeitig (z.B. in der Krabbelgruppe) schnell Stressreaktionen zeigt. Daher sehe ich als realistischen Rahmen vorerst maximal eine Halbtagsbetreuung in einer Krippe als zumutbar an. Ich habe meinem Partner bereits angeboten, dass ich unser Kind dann immer mittags abhole und betreue, sofern ich nicht auf Geschäftsreise zum Kunden muss. Und dass er dann die Nachmittagsbetreuung an ca. 5-6 Tagen im Monat übernimmt, wenn ich unterwegs bin. Seine Antwort: nö, das ginge nicht, und er will auf jeden Fall Vollzeit arbeiten.
    Dazu sei noch gesagt: vor dem Kind habe ich netto knapp das Doppelte von ihm verdient. Wir sind nicht verheiratet und zahlen ein Haus ab. Und mein Partner möchte sein teures Fliegereihobby auf keinen Fall aufgeben.
    Fazit: er agiert extrem egozentrisch, sogar wenn es am Ende auf Kosten des Kindes ginge. Er stellt mich damit gefühlt vor die Wahl, das ganze entweder eskalieren zu lassen und mit Trennung zu drohen, womit auch ein erträumtes Familienleben im gemeinsamen Haus endgültig passé wäre, oder aber beruflich ohne Ausgleich o.ä. zurück zu stecken, um für unser Kind da zu sein und die Familienstruktur zu erhalten.
    Was ich damit sagen will: wenn das Kind nicht wäre, würde ich einem solchen Egotrip des Partners sofort eine Absage erteilen und mich im Fall der Fälle eben trennen. Mit Kind zerstöre ich aber dem Kind die Chance auf eine halbwegs „heile“ Familienumgebung, in der es täglich beide Elternteile um sich hat. Das erzeugt ziemliche Eskalationshemmungen und gleichzeitig sehr viel Wut auf den Partner.
    Wie würdet ihr damit umgehen??
    Für Tipps und Gedanken dankbar, Ana

    • Wow, Ana, das ist ja eine besch… Situation. Und ich kann sie emotional sehr gut nachvollziehen.
      Ich bin übrigens ann aus dem beitrag weiter oben.
      Ich werde versuchen, dir einen Aussenstehenden-Eindruck dazu zu geben (auch wenn ich weiß, dass sich das viel leichter sagen lässt als wirklich umsetzen):

      Wie du sagst: Wäre das Kind nicht da, wäre das Verhalten des Partners ein absolutes No-Go. Aber warum ist es das eigentlich so nicht? Warum ist es deine Aufgabe, dich darum zu kümmern, dass die Familie „funtioniert“ während es ihm mehr oder weniger egal ist? Er scheint sich ja darauf ausruhen zu können, dass du

      1. beruflich völlig zurück steckst falls die Unterbringungssituation für das gemeinsame Kind (an dem ihm ja genug gelegen scheint, um 1 Jahr Elternzeit zu nehmen) nicht zumutbar ist
      2. ab dem 1. Geburtstag damit hauptsächlich für das Kind da bist, da er sein „Soll“ ja in dem einen Jahr erledigt hat und die kommenden 17 Jahre dann mehr oder weniger dein Problem sind?

      Du sagst, er stellt dich gefühlt vor die Wahl – aber das tut er nicht nur gefühlt, sondern faktisch. Habt ihr das einmal klar formuliert, in einem ruhigen Gespräch oder im Streit? Ist es ihm bewusst? In dem Fall würde ich als Aussenstehende ganz klar sagen: Lauf. Das wird nicht besser. Du bist jetzt schon gestresst und wirst, wenn es läuft wie er das will, bestimmt wahnsinnig unglücklich. (dazu kommt auch noch, was in diesem Artikel ganz schön formuliert ist. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/beruf-und-familie-wenn-alles-an-ihr-haengt-1.4444055 Das ist einfach so häufig der Fall, selbst wenn er Teilzeit wäre und du Vollzeit würde mit Sicherheit das meiste an dir hängen bleiben -und so egoistisch wie er sich mir aus deinem kurzen Bericht darstellt, wäre es bei ihm Vollzeit und dir Teilzeit mindestens genauso, da er ja wie erwähnt sein „Soll“ wohl schon erledigt hat mit der Elternzeit. Auch wenn ihr beide Vollzeit geht und das Kind in der Krippe ist. Das Auszuhalten fällt schon Leuten mit, sagen wir mal: intakten, Paarbeziehungen schwer.)

      Die „sanfteste“ Lösung, die ich mir vorstellen kann: Ihr disktutiert es offen und ehrlich und findet gemeinsam eine gute Lösung für die Eingewöhnung des Kindes und guckt, ob es nicht doch gut klappt. Die Kleinen gewöhnen sich schnell an neue Situationen und vielleicht tut es ihm/ihr ja sogar gut, unter anderen zu sein, um ihre/seine Ängste abzubauen.

      • Liebe Ann, danke für Deine Einschätzung! Ausführliche Antwort von mir im Kommentar eins drunter (auf Mikas Kommentar)!
        Liebe Grüße,
        Ana

  7. Liebe Ana,
    ein Gruß von mir – der Autorin des Artikels.

    Ich glaube, dein Thema ist im Grunde der Dreh- und Angelpunkt dieser Diskussion. Wie kann man, wenn eigentlich die berufliche Situation für beide gar nicht mal schlecht ist, eine Balance schaffen zwischen beiden Berufstätigkeiten.

    Mein Thema ist in diesem Konfliktfeld, dass ich sehr gut ausgebildet bin, vorher an vorderster Front Gas gegeben habe und mit jemandem verheiratet bin, den ich auch super finde (..;-)!..), bei dem es beruflich aber schwerer ist, für Kinder zurückzustecken (Führungskraft mit Mitarbeiterverantwortung) als bei mir (öffentlicher Dienst), so dass das Pendel der „care Arbeit“ zu meinen Ungunsten ausgeschlagen ist, was immer wieder mal zu Magengrummeln führt. So würde ich meine Situation beschreiben: also die nicht gelebten beruflichen Möglichkeiten wegen der Familie (was sich anhört wie aus den 50er Jahren, was aber die Realitäten von Familienarbeit auch heute noch gut spiegelt, denn einer oder zwei müssen es eben machen, es sei denn die Kinder werden fast überwiegend nicht von den Eltern betreut).

    Bei dir ist das Thema für mich unverständlicher, da dein Freund als Beamter ziemlich problemlos vorübergehend Teilzeit arbeiten könnte, um dann zur Kigazeit bspw wieder auf 100% zu gehen. Ihr habt also ordentlich Konfliktpotential. Wie immer im Leben: ich würde das Gespräch suchen und die Alternativen aufzeigen: zB Trennung und Wechselmodell (wie würde er das bitte gewährleisten?), Zahl- und Wochenendvater nach deinem Wegzug wegen des Jobs mit Kind. Also extreme Drohszenarien mal ganz bedacht und ruhig vortragen, um ihn aus diesem Traum aufzuwecken, dass die Familienarbeit nach dem ersten Kitajahr erledigt ist. Das ist sie nämlich mitnichten. Und je eher er das kapiert, desto höher eure Chance, als Paar zu überleben. Liebe Grüße, Mika

    • Liebe Mika, vielen Dank für Deinen Antwort-Kommentar!
      Wenn man das mal gedanklich weiterspinnt, könnte man ja auch fragen: warum wechselt Dein Mann nicht hin zu einem Job, der familienfreundlicher ist, ganz so wie Du es getan hast? Dann ließe sich dieses Ungleichgewicht besser austarieren. Ja, das bedeutet ein Opfer. Und: nein, von selbst kommen die meisten Männer nicht auf die Idee, ein solches anzubieten, um innerfamiliär in Karrierehinsicht und in persönlicher Zufriedenheit Chancengleichheit herzustellen.
      Ich hab das Gefühl, in unseren Partnerschaften wird knallhart gepokert. Wie im echten Leben mit unfairer Kartenverteilung. Männer haben biologisch mehr Zeit für Elternschaft. Das bringt Frauen in eine schwächere Verhandlungsposition, zumindest spätestens ab Mitte 30. Viele, die ich kenne, mich selbst eingeschlossen, fühlen sich ab Mitte 30 gezwungen, selbst sehr aktiv werden und gezielt (ggü. dem Partner strategisch wie taktisch) das Thema Mutterschaft „eintüten“ zu müssen, wenn sie es halt noch erleben wollen. –Solche Gespräche initiieren in geschätzt 99% der Fälle die Frauen, nicht die Männer. Die Frauen kümmern sich pro-aktiv um die zu einer Mutterschaft aus ihrer Sicht halbwegs passenden Rahmenbedingungen (z.B. menschenwürdige Arbeitszeiten), sofern sie den Handlungsspielraum haben. Männer warten nach meiner Beobachtung erstmal ab, bleiben beim Status quo. Kennen es vermutlich auch nicht anders, denn wer bitteschön soll ihnen da Rollenvorbild dienen können, solange es in 99% der Fälle so läuft und als „normal“ gilt?
      Aus ihrer Sicht wünscht sich die Partnerin oftmals „mehr“ ein gemeinsames Kind. Und sie lassen sich durchaus mitziehen und begeistern, zumindest solange die gefühlte Kosten/Nutzen-Rechnung aufgeht. Das tatsächliche Ausmaß der Entscheidung für ein gemeinsames Kind begreifen beide ja auch erst, wenn selbiges da ist. Ich wurde zum Beispiel von der „emotionalen Geiselhaft“ ziemlich überrascht, also wie sehr es mich emotional mitnimmt, wenn es meinem Kind auch nur temporär nicht gut geht. Das Weinen meines Babies fühlte sich in den ersten Wochen an, als bekäme ich Elektroschocks verabreicht. Ein zuvor ungekannter Zustand. Mein Partner ist da deutlich robuster, oder sagen wir mal: weniger empathisch unterwegs. Auch das katapultiert mich in eine schlechtere Verhandlungsposition. Ich warte nämlich keine 5 min, wenn das Baby vor Hunger schreit oder Angst hat oder vollgekackte Windeln.
      Er kann also in vielerlei Hinsicht einfach erstmal abwarten und dadurch begründete Hoffnung hegen, dass sich die an ihn herangetragene Wünsche und Forderungen von selbst erledigen.
      Und ich befinde mich in der Rolle als Bittstellerin. Funktioniert nicht gut.
      Mein Eindruck ist: nur durch Zwang und Druck und knallhartes Verhandeln/ Pokern ändert sich etwas. (War übrigens auch schon mit seiner Elternzeit so: er wollte unbedingt, dass unser Kind seinen Nachnamen bekommt. Sonst lieber kein Kind. –Ja, da hat er knallhart seine Verhandlungspositionsmacht ausgespielt, ihr merkt es schon. Also war dann meinerseits eine von 5 Bedingungen, dass er in dem Fall 1 Jahr Elternzeit nimmt. Von alleine wäre er ganz sicher nicht auf diese Idee gekommen. Er kommt aus einer Familie mit traditioneller Hausfrauenehe. Es fehlt an -ich wiederhole mich- VORBILDERN!)
      Langer Rede kurzer Sinn: ich bin mittlerweile bereit, dahin zu gehen, wo es auch ihm dann weh tut: eben Trennung als ultima ratio. Als Drohszenario, welches ich auch tatsächlich so meine. (Er muss meine Entschlossenheit und Bereitschaft hierzu spüren, sonst beeindruckt es ihn nicht.)
      Da bin ich jetzt bei Ann (im Kommentar eins drüber): lieber dann ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende. Vielleicht bewegt sich dann was. Aber selbst wenn es das tut: von vertrauensvoller oder gar romantischer Paarbeziehung bleibt da nichts übrig. Diese naiv-rosa Wolke von gemeinschaftlichem Streben nach Gleichberechtigung wurde pulverisiert…-ein neues Problem?
      Grübelnd und desillusioniert, Ana

      • Ja. Ja. Ja. Amen.

        Hab hier weiter oben auch schon kommentiert und stimme dir in deinen Beobachtungen vollkommen zu. Dennoch bin ich in der glücklichen Lage zu sagen, dass meine Frustration nicht aus der Partnerschaft entsteht, sondern daraus, dass ich beruflich konkurrieren muss mit „de facto-Junggesellen“. Warum meine Partnerschaft weniger frustrierend ist, als ich von deiner aus deinen Kommentaren herauslese, bestätigt dann wiederum deine Argumentation: Ich hatte bereits ein Kind aus einer früheren Beziehung und war die Gelassene – ich konnte mir sowohl ein weiteres Kind als auch keines gut vorstellen. ER hat hingegen sehr gedrängt und meine biologische Uhr ticken hören… :-) Das verbuche ich einfach nur unter Glück gehabt.
        Ich wünsche euch, dass die Gräben und die Kämpfe auch wieder verschwinden.

      • Liebe Ana,

        danke für Deinen langen Kommentar!

        Ich glaube sogar, dass trotz Emanzipation und „neuen Vätern“ (oder warum habe ich mal den Kommentar an einen Großvater gerichtet gehört „Hast Du damals eigentlich Windeln gewechselt?“ und das war in dem Moment eine rhethorische Frage, um zu zeigen, was man(n) so alles heutzutage macht, Schulterklopf) die meisten wirklich nicht bereit sind, irgendwelche beruflichen Nachteile in Kauf zu nehmen – wie es Frauen oft tun.

        Ich sehe es so: Es tut den Kindern nicht unbedingt gut, wenn beide auf Teufel komm raus ihre Rechte durchsetzen wollen, da sie es in der Regel sind, die mit dem Ergebnis (weniger Elternteil(e)-Zeit) leben müssen. Andererseits (!) wenn die Frauen sich nicht durchsetzen – das sehe ich 100% genauso – wird sich nichts tun. Da kann man einen Blick in die Vergangenheit richten und weiß Bescheid. Ein Dilemma!

        Ich frage mich, wenn ich lese, dass ein Mann, der weniger verdient, trotzdem nicht beruflich zurück stecken will (denn die Höhe des Gehalts ist ja normalerweise DAS Argument der Männer), ob ihm das Kind weniger wichtig ist? Wenn es Deinem Kind, wie du schreibst, guttun würde, wenn es mittags aus der Kita abgeholt wird, warum nimmt dein Mann/Freund dann in Kauf, dass es länger bleiben soll, obwohl er weniger verdient, einen sicheren Job hat und ziemlich nach Belieben reduzieren und erhöhen kann, sogar vermutlich von einem Monat auf den anderen, wie es in Behörden nicht völlig unüblich ist.

        Jetzt unabhängig von Deiner Situation frage ich mich wirklich oft: Sind den Männern die Kinder weniger wichtig als den Frauen (Ausnahmen inbegriffen)? Warum ist es für manchen Mann mit wirklich vielen Dienstreisen nicht so schlimm, ständig weg zu sein? Von Frauen höre ich dagegen öfter, dass sie das nicht sonderlich toll fänden und der Job nicht aufwiegen kann, wie es ihren Kindern damit geht. Was ist da los?

        In meinem Fall: Klarer Fall von „bischen alte Schule in der Jetzt-Zeit“. Ein in der verfügbaren Zeit engagierter Vater, der aber trotzdem nicht auf die Idee kommen würde, bewusst kürzer zu treten, wenn das berufliche Abstriche bedeuten würde, aber immerhin insoweit bewusst seinen Job wählt, als dass er (fast) keine Auslandsreisen benötigt und als dass er abends zu ordentlichen Zeiten hier ist, das heisst für ihn/uns vor 19 Uhr, weil er diesen Lebensstil als Mensch und Familienvater nicht leben will, also bspw. erfolgreicher Kosmopolit mit hier mal ins Ausland, da mal ins Ausland, und arbeiten bis in die Puppen.

        Bei uns ist das Gehaltsgefälle groß. Es ist das alte Lied: Es wäre wirtschaftlich wirklich bescheuert, wenn ich mehr und er weniger arbeiten würde, da wir dann trotzdem sehr viel weniger Geld hätten. Mein Gehalt bringt nur einen dreistelligen Betrag mehr, wenn ich die Stunden erhöhe. Bei ihm geht das direkt bei vierstellig los.

        Das ändert alles nichts an folgender Überlegung:

        Wir sind gleich gut ausgebildet, ich spreche allerdings drei Fremdsprachen mehr, ich habe mehrere Jahre Ausland auf dem ausbilderischen Buckel, mein Englisch ist nahezu muttersprachlich, aber wer hat seine berufliche Situation gefühlt nivelliert? Voilà.

        Das Thema ist: Bei mir würde es mehr bedürfen, als einfach Stunden aufzustocken. Auch mit 30 oder 35 Stunden würde ich etwas Ähnliches auf der Behörde arbeiten. Allerdings dann wahrscheinlich in Leitungsfunktion, wobei der Begriff immer ein großes Wort ist: Auch jemand, der zwei oder drei Leute unter sich hat, leitet ja auf einer Behörde. Inhaltlich wäre alles gleich.

        Es ist mehr das Große Ganze. Was ich nicht getan habe, weil dann Kinder kamen. Welche Chancen ist nicht mehr in Betracht gezogen habe. Worum ich mich mit Ende 30 nicht mehr bemüht habe, als ich mit dem Gedanken an Kinder gespielt habe.

        Ich sage nicht, dass das Zwicken im Bauch nicht hausgemacht ist. Ich sage aber: ich bin trotzdem gut. Nur in Teilzeit, auch mit etwa 60% wie bei mir, ist man auf dem völligen Abstellgleis gelandet. Das fühlt man. Fast täglich.

        Mir fehlt tatsächlich die Phantasie, wie aus so einer Situation, die ja im Grunde sehr privilegiert ist (fester Job usw., Partner hat einen guten Job) mit zwei Kindern beruflich was werden kann für die Frau. Mich interessiert daher sehr, wie es andere machen, denn in meinem Umfeld haben die meisten aufgegeben. Bei der einen oder anderen läuft es gut, sie macht, tut, bewegt sich. Es klappt. Aber das sind absolute Ausnahmen.

        2019. Und es sind absolute Ausnahmen.

        Wie die Welt wohl 2030 aussieht, wenn unsere Töchter sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten wollen. Wie in Dänemark mit viel flexiblen Arbeitszeiten? Großeltern werden da wohl auch immer noch weit weg wohnen (oft) oder selbst noch arbeiten. Frauen für die care-Arbeit zu „importieren“, wie es in vielen Ländern üblich ist (neulich noch einen Artikel über Mutter-leere indonesische Dörfer gelesen, weil die Mütter auch schon ganz junger Kinder in Saudi Arabien Kindermädchen sind), ist hier jedenfalls in der Mittelschicht unüblich (und zu teuer) und das ist unterm Strich auch gut so, auch wenn man sich in schwachen Momenten ein Kindermädchen wünscht, um einfach mal Hilfe zu haben, Flexiblität zu haben usw.

        Googlest du die sogenannten Celebrities, die Kinder bekommen haben (die weiblichen davon), dann siehst Du ständig Kindermädchen, wie sie mit kleineren Kindern irgendwohin laufen. Man sieht also, dass das wohl der übliche Weg ist, wenn Geld keine Rolle spielt. Die europäische Mittelschichtsfrau wurschtelt sich so durch und ist gestresst – zu recht. Und viele sind sehr unzufrieden wegen ihrer beruflichen Situation; nicht zuletzt weil sie teilweise gar nicht mehr reinkommen oder mangels guter Ausbildung überhaupt nie in die Verlegenheit kamen, beruflich gut dazustehen.

        Aber die meisten sind ziemlich gestresst, ist mein Eindruck. Alle, die es „alleine“ machen (also auch zu zweit überwiegend alleine stemmen) sind einfach gestresst. Und logisch – Wäsche, Spülmaschine, Räume sauber halten, Bügeln, Einkaufen, Recycling wegbringen; irgendwer muss den ganzen Kram ja erledigen.

        Wenn Beziehungen sicher halten würden und wir einen magischen Knopf dafür hätten, fände ich es nicht schlimm, wenn einer für die Familie zurücksteckt. Nur wer hilft alten Damen, die in der Altersarmut sitzen? Korrekt. Niemand. Das mag das Extremszenario sein, aber Altersarmut ist weiblich. Die ganze Situation ist also nicht nur ein privates Luxusproblem des Einzelnen sondern zusätzlich auch noch ein gesamtgesellschaftliches Problem.

        Irgendwas muss dringend anders werden. Ob es Kämpfe bringen? Wie wäre es mit vernünftiger Diskussion? Aber es gibt viele vernünftige, gut ausgebildete Frauen, die das sicher schon versucht haben? Und da wären wir auch wieder bei dem, was du sagst: Männer sagen einfach nein oder sitzen es aus. Und da bin ich wieder beim Anfang: Sind ihnen Kinder weniger wichtig als Frauen? Ist es ihnen weniger wichtig, ob es dem Kind in der Kita-Situation gut geht?

        Mal richtig ketzerisch gefragt: Kann es sein, dass der starke Anstieg von Einzelkind-Familien auch damit zu tun haben könnte, dass Frauen nach der Geburt vom ersten Kind sehen, wie es zuhause läuft und dann sagen: Das tue ich mir nicht nochmal an? Mit dem Kind jetzt kriege ich es irgendwie hin, aber bei zweien bin ich vollends in 1953 gelandet. Ist an dem Gedanken was dran?

        Kopfkratzende Grüße,
        Mika

        • Hallo zusammen,
          zwei meiner Ansichten dazu:

          1. der Begriff des maternal gatekeeping kam bisher hier nicht vor. Wenn Mama findet, das Kind soll bspw. erst mit 3 Jahren in einer Einrichtung betreut werden, Papa findet, dass das mit 1 Jahr schon geht – dann bedeutet Elternschaft auf Augenhöhe eben auch, dass Mama nicht nach ihrem eigenen Gutdünken über Kinderangelegenheiten bestimmt. Ich persönlich glaube übrigens, dass wenn die Elternzeit 50/50 geteilt würde, wesentlich mehr Männer ein Problem damit hätten, ihre Kinder weniger zu sehen oder abzugeben.
          2. ich hab es schon gesagt, aber noch einmal, weil es der Dreh- und Angelpunkt ist: nach der Einigung auf die Art und Weise der Kinderbetreuung 50% care Arbeit einfordern. Egal, wer wieviel verdient. Schon in der „Planungsphase“ keine kleinen Brötchen backen. Lean in. Es scheint mir manchmal so, als würden sich gut ausgebildete Frauen schämen für ihren Kinderwunsch und freiwillig den Rückzug antreten, als fänden sie selbst, dass sie dafür bestraft werden müssten und „bei den großen Jungs“ nichts mehr zu suchen haben.

  8. Ja, auch mir ging es nach der Rückkehr aus der Elternzeit sehr ähnlich und ich war nicht mehr zufrieden. Obwohl auch ich einen entgegenkommenden Arbeitgeber hatte. Den Traumjob mit Kind auszuüben ist eben auch heutzutage noch schwierig, Vereinbarkeit für mich auch ein Unwort. Ich habe auch kürzlich darüber gebloggt. Über Traumberuf und die (Un-) Vereinbarkeit von Job und Familie. Bei Interesse gern mal reinschauen:
    https://www.fraufreigeist.de/sandmaennchen-der-heimliche-traumberuf-der-frau-freigeist/
    Liebe Grüße
    Britta

  9. Liebe Britta, danke für den Link; ich habe Deinen Artikel gelesen. Sehr hübsch geschrieben! Du beschreibst Dich als „digital working mom“. Ist das eine Bezeichnung für das Bloggen als Beruf? Liebe Grüße, Mika

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