Von starken Partnerschaften, glücklichen Familien und coolen Kids

4. Mai 2013 | Von | Kategorie: Beruf und Familie, Berufstätige Väter, Gastbeiträge

Vater, Mutter, Kind, Idylle – davon träumen viele. Der Alltag sieht oft erschreckend anders aus: Vater arbeitet bis spät in die Nacht, Mutter langweilt sich und ist frustriert, ihre Karriereträume nicht leben zu können, Kind steht irgendwo dazwischen und verliert sich selbst, bevor es sich gefunden hat. Okay, das war jetzt viel Schwarzmalerei. In meinem Beruf als Coach für Frauen, die ihre Karriere (wieder-)beleben wollen, erlebe ich ähnliche Storys allerdings häufiger. Und je tiefer Mutter und Vater in ihrem Alltag – in ihrer Box – gefangen sind, umso schwerer haben es die Kids.

Konsequenz anstelle von Strafe

Eine Erziehung, die auf Liebe, Zuwendung, positive Verstärkung und Verständnis basiert, wollen viele Eltern bei ihren Kindern erreichen. Wie aber soll das gehen, wenn es schon in der elterlichen Beziehung hapert? Oft ist der Ansatz der Kindeserziehung in der Beziehung zum eigenen Partner schon unruhig. Da ruft er nicht an, wenn er später heim kommt, und sie bestraft ihn mit den Mitteln einer Frau. Sie belastet die Kreditkarte beim Shoppen etwas zu arg, er bestraft sie mit den Mitteln eines Mannes. Das Kind bringt eine schlechte Note nach Hause, die Eltern bestrafen es mit ihren gemischten Mitteln. Wie soll denn daraus ein Miteinander entstehen?

Miteinander – das ist doch das Zauberwort für starke Partnerschaften, glückliche Familien und coole Kids. Sehen wir uns die Beispiele noch mal an: Wenn er nicht anruft und Bescheid gibt, dass er später heimkommt, wäre es eine Strafe, ihn zu ignorieren. Die Folge: Beiden Partnern geht es schlecht damit. Die Konsequenz allerdings ist, dass sein Essen kalt geworden auf dem Küchentisch steht, er das aufräumen muss und dann ins Bett hüpft, wo sie bereits schläft. Kein gemeinsamer Abend – das ist eine Konsequenz, die daraus entsteht. Anstelle eines Dramas reicht es, wenn sie ihm sagt: „Rufe das nächste Mal bitte an, damit ich mich darauf einstellen kann. Dann koche ich nur für mich und warte noch auf dich, wenn es nicht zu spät wird.“ – Schon leben wir miteinander in Harmonie. Hat sie die Kreditkarte zu arg belastet, wäre es eine Strafe, sie anzubrüllen und ihr vorzuwerfen, das Geld zu verschwenden. Konsequenz ist es, dass sie bei der nächsten Shoppingtour Verzicht üben muss. Das kann er ihr ganz ruhig sagen: „Okay, du wolltest das Teil jetzt haben, beim nächsten Mal lass uns das aber vorher absprechen, damit wir besser kalkulieren können.“ – Schon leben wir ohne Drama, miteinander in Harmonie. Bringt das Kind eine schlechte Note nach Hause, wäre es Strafe, ihm eine Woche Fernsehverbot aufzubrummen. Konsequenz wäre allerdings, sich gemeinsam hinzusetzen, das Kind beim Lernen zu unterstützen und aufzuzeigen, dass das mangelnde Aufpassen in der Schule weniger Spielzeit zuhause zur Folge hat. Die Eltern können dem Kind erklären: „Wenn du gleich in der Schule gut aufpasst und wir demnächst direkt nach der Schule wiederholen, was du gelernt hast, bringst du bessere Noten nach Hause und wir können deine Spielzeit wieder erhöhen, weil nicht so viel Zeit fürs Aufarbeiten des Stoffes verlorengeht.“ – Schon leben wir ohne Strafe miteinander in Harmonie.

Aus Jungen sollen Männer werden

In vielerlei Hinsicht unterscheiden sich Jungen von Mädchen. Während Jungs im jüngeren Alter komplizierter sind, wird die Pubertät in aller Regel entspannter. Steve Biddulph, australischer Psychologe und Familientherapeut, erklärt in seinem Buch „Jungen! Wie sie glücklich heranwachsen“ drei Phasen: In den ersten sechs Lebensjahren gehören Jungen hauptsächlich der Mutter. Sie suchen intensiven Kontakt zur Mutter, die ihnen idealerweise Liebe und Sicherheit gibt. Bis zum vollendeten 14. Lebensjahr suchen Jungen Eigenständigkeit. Sie orientieren sich sehr am Vater, entwickeln Kompetenzen und Fähigkeiten und bilden ihre Persönlichkeit aus. Gerade in dieser Phase ist es wichtig, auf Konsequenz anstelle von Strafe zu setzen. Die dritte Phase reicht bis ins Erwachsenenalter und in ihr tritt der Vater in der Wichtigkeit zurück. Jungen suchen sich nun männliche Vorbilder außerhalb der Familie. Übrigens: Zwischen dem 11. und dem 13. Lebensjahr, also mit Beginn der Pubertät, steigt der Testosteronspiegel eines Jungen um 800 %. Neben körperlichen Veränderungen führt das oft zu einer Frage bei den Eltern: Was haben wir nur falsch gemacht? Gar nichts. Ihr Sohn entwickelt sich nur zum Mann. Das kann eine Zeitlang dauern, aber spätestens mit Mitte 20 werden Sie einen wundervollen Sohn haben, der sich an seinen Testosteronspiegel gewöhnt hat und ausgeglichener ist. Wenn Sie sich an die biologische Entwicklung Ihres Sohns halten und hormonelle Schwankungen berücksichtigen, außerdem auf Drama verzichten und das Miteinander leben (auch wenn es manchmal wirklich schwierig wird), entwickelt sich Ihr Sohn zu einem echten Traummann!

Und aus Mädchen sollen Frauen werden

Väter sind die ersten Männer im Leben von Frauen. Heißt: Als Vater sind Sie von besonderer Bedeutung für Ihre Tochter. Sie prägen ihr Bild von Männern, Sie prägen ihr Bild von Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Als Mutter sind Sie Identifikationsfigur – und manchmal sogar unbewusst Konkurrentin. Als Vater ebnen Sie für Ihre Tochter den Weg von der Emotionalität in die Ratio. Sie zeigen, dass Situationen auch mit dem Verstand gelöst werden können. Aber Vorsicht: Es ist typisch weiblich, empathisch zu sein. Und als Frauencoach weiß ich eines: Empathie ist gefragt, privat und beruflich!

Bleiben Sie immer in Kommunikation

Dieser Tipp dürfte Vätern schwerer fallen als Müttern: Bleiben Sie immer in Kommunikation miteinander. Erklären Sie Ihren Kindern, ob Mädchen oder Junge, immer alles. Handeln Sie konsequent und verzichten Sie weitestgehend auf Strafen – Konsequenzen sind oft genug die „besseren Strafen“. Sie sind nachvollziehbar, brauchen aber eine Erklärung („Wenn du dein Zimmer jetzt nicht aufräumst, müssen wir das machen und dann bleibt weniger Zeit für deine Gute-Nacht-Geschichte.“). Gewöhnen Sie sich an, über alles zu sprechen und auf Drama zu verzichten. Dann wird es glücken mit einer starken Partnerschaft, einer glücklichen Familie und coolen Kids!

 

Karsten Edelburg: Gibt Karrieretipps für Frauen

Ein Gastbeitrag von Karsten Edelburg, der als Mann in seinem Buch “How to play the Game?” Frauen Karrieretipps gibt. Er bloggt auf www.edelburg.de 

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Sophie Lüttich

Inhaberin von NetWorkingMom.de. Als bekennende Latte-Macchiato-Mama trägt sie nicht nur interessante Netzfundstücke zusammen, sondern plaudert in der Kaffeeküche recht scharfzüngig über die Merkwürdigkeiten, die einem als berufstätige Mutter so begegnen. Mehr Lifestyle und Kinderkram gibt's im Zweitblog www.BerlinFreckles.de

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