Die moderne frustrierte Ehefrau aus den 50ern

2. November 2013 | Von | Kategorie: Beruf und Familie, Wiedereinstieg

„Du klingst wie ’ne frustrierte Ehefrau aus den 50ern, echt!“ sagt einer von zwei Ehepartnern bei einem Streit um Beruf und Karriere, Anerkennung fürs zu Hause bleiben und wer hier immerhin das Geld nach Hause bringt. Wie es in einer Beziehung zumeist der Fall ist, steckt einer beruflich zurück und kümmert sich um die Kinder, damit der andere sich „so richtig reinknien“ kann.

Willkommen Klischee? Nicht ganz, denn in der Szene aus dem Film ELTERN mit Christiane Paul und Charly Hübner sind die Rollen anders, als man es wohl traditionell erwarten würde. Der Film startet am 14. November in den deutschen Kinos und ich selbst darf mich auch noch darauf freuen, ihn in voller Länge zu sehen. Als ich gefragt wurde, ob ich vielleicht vorab einen Ausschnitt aus dem Film auf meinem Blog zeigen würde und dann aus der Perspektive einer bloggenden Mama einen Ratschlag zu geben, war ich mir nicht sicher, ob es überhaupt einen passenden Ausschnitt geben würde, der zum Blogthema „berufstätige Mütter“ passt.

Doch ich wurde sofort fündig und zeige den Dialog zwischen Working-Mom Christine und Wiedereinstiegs-Dad Konrad wirklich gern, weil hinter den paar Sätzen, die da auf dem Krankenhausflur hin- und hergeworfen werden, so viel mehr zum Thema „moderne Familie“ und Vereinbarkeit von Kindern und Karriere steckt. Aber kurz zum Hintergrund: Konrad bleibt zuhause und kümmert sich um Kinder und Haushalt, während Christine als angehende Oberärztin das Geld für die Familie verdient. Als Konrad ein attraktives Angebot als Theaterregisseur erhält und seine zweite Chance wittert, steht das Familienmanagement vor großen Herausforderungen.

Ich weiß nicht, ob ich in der Position bin, in so einer Situation Ratschläge zu erteilen. Welchen Ratschlag ich mir jedoch angesichts der Tatsache gebe, dass es hier die berufstätige Mutter ist, die das Bild der frustrierten Ehefrau aus den 50er Jahren bemüht: Vorsicht vor der Klischeefalle, denn in die kann wohl beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie jeder schnell mal tappen.

„Immerhin bringe ich ja hier das Geld nach Hause…“
„Deinen Luxus möchte ich gern mal haben…“
„Mein Tag hat auch nur 24 Stunden…“
„Ich mach‘ das doch hier nicht zum Vergnügen…“

Wart ihr schon mal in einer Situation, in der jemand mit der verbalen Klischeekeule so richtig weit ausgeholt hat? Wie reagiert man da? Ich bin auf eure Meinung gespannt.

 

ELTERN ist ein Film der DCM  Film Distribution GmbH
Facebook-Seite zum Film: facebook.com/Eltern.derFilm

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Sophie Lüttich

Inhaberin von NetWorkingMom.de. Als bekennende Latte-Macchiato-Mama trägt sie nicht nur interessante Netzfundstücke zusammen, sondern plaudert in der Kaffeeküche recht scharfzüngig über die Merkwürdigkeiten, die einem als berufstätige Mutter so begegnen. Mehr Lifestyle und Kinderkram gibt's im Zweitblog www.BerlinFreckles.de

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2 Kommentare auf "Die moderne frustrierte Ehefrau aus den 50ern"

  1. Melanie sagt:

    Ich weiß nicht, ob das als Ratschlag taugt, aber aus der persönlichen Erfahrung heraus finde ich es unheimlich wichtig, sich immer und immer wieder klar zu machen, dass man eigentlich auf der selben Seite steht. Der jeweils andere handelt ja in der Regel nicht so, um mich zu ärgern, sondern im schlimmsten Fall aus Gedankenlosigkeit.
    Es nützt nichts, den Frust über von außen kommende Probleme und Herausforderungen GEGEN den Partner zu richten, denn eigentlich möchte man ja (normalerweise) gemeinsam nach einer Lösung suchen.
    Streit ist keine Lösung – manchmal zwar befreiend, bringt aber niemanden weiter – im Gegenteil, die Probleme werden ja nur größer, wenn jeder allein gegen sie kämpft.

    Ob man das dann aber in dem Moment, in dem man gefrustet und genervt ist und an der Grenze der persönlichen Belastbarkeit steht, noch kann, ist natürlich die andere Frage. Da könnte eine Art „Notfallplan“ helfen: Ich ärgere mich über etwas – ich versuche, nicht sofort in die „Er/Sie ist egoistisch/Alles ist Mist/o.ä.“-Falle zu tappen, sondern suche nach einem Weg, meinen Ärger zu formulieren, ohne per se die Schuld beim Partner oder überhaupt bei jemandem zu suchen. Manchmal sind Situationen einfach großer Mist, ohne, dass jemand was dafür kann.

  2. Sonja sagt:

    Ich bin 25 und habe selbst noch keine Kinder, aber mich beschäftigt die Frage, wie sich Beruf und Kinderbetreuung in einer Partnerschaft gerecht aufteilen lassen schon heute sehr. Mit meinem Partner (wir sind beide noch Studenten) habe ich bereits über das Thema gesprochen. Er ging zunächst davon aus, dass derjenige mehr Verantwortung bei der Kinderbetreuung übernehmen sollte, der weniger Geld verdient. Da er ein MINT-Fach studiert und ich Journalismus, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er mehr Geld verdienen wird als ich, relativ hoch. Meiner Meinung nach ist das ökonomische Argument jedoch nur bedingt schlüssig. Ich glaube, dass sich Akademiker, die Fächer mit top Berufsaussichten studiert haben (zum Beispiel Ingenieurwissenschaften oder Medizin) eher eine längere Auszeit leisten können, weil ihnen der Wiedereinstieg höchstwahrscheinlich leichter gelingen wird als vielen Absolventen von Geistes- oder Sozialwissenschaften. Sollten wir mal eine Familie gründen, wird neu verhandelt.;-) Ich stimme Melanie jedoch absolut zu, dass man sich in solchen Diskussionen als Team begreifen sollte.
    Sonja veröffentlichte kürzlich: “Dann kriegt halt keine Kinder!”

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