Kinder, Karriere und eine Schwäche für Latte Macchiato.

Präsenzkultur und Mütter: Wir brauchen eine Abwesenheitskultur, Foto: Arbeiter an der Stechuhr, um 1950, Kienzle Taxameter, Villingen (Uhrenindustriemuseum Villingen-Schwenningen)

Präsenzkultur? Her mit der Abwesenheitskultur.

Ich hatte überlegt, einen Artikel über Präsenzkultur und berufstätige Mütter zu schreiben, aber je länger ich darüber nachdachte, desto mehr wurde mir klar: Ich kann gleich ein Plädoyer für eine vernünftige Abwesenheitskultur verfassen. Doch kurz ein Sprung zurück und zu dem Moment, in dem ich erstmal eine gelebte Abwesenheitskultur für Mütter vorschlug. In einer Facebook-Gruppe für berufstätige Mütter klagte eine Mutter, die selbständig von zu Hause aus arbeitet, ihr Leid. Die Präsenzkultur in ihrem Hause war allgegenwärtig. Sie bat ihren Mann, sich um die Kinder zu kümmern, damit sie sich um ein paar Aufträge kümmern kann.
Doch wenn Mütter zu Hause sind, werden sie auch ständig vom Rest der Familie als Mutter gebraucht. Kurzum, zuhause war sie nicht die arbeitende Frau, sondern nur die Mutter, nach der ständig gerufen wurde – von Mann und Kindern.  Wer da ist, sieht nun mal aus, als wäre er jederzeit für alle verfügbar.

Was ich ihr vorschlug war, tatsächlich eine vernünftige Abwesenheitskultur zu Hause einzuführen. Wenn sie ihren Mann das nächste Mal bittet, sich um die Kinder zu kümmern, weil sie sich noch um ein paar Aufträge kümmert, dann könne sie das genauso gut, mit Tasche und Schlüssel in der Hand tun, um im nächsten Moment das Haus zu verlassen. Nicht, dass sie sich sofort ein teures Büro anmieten soll. Der Küchentisch in der Wohnung einer Freundin, die sowieso tagsüber nicht zu Hause ist, kann eine gute Alternative sein.

„Wenn ich nicht da bin, bin ich auf dem Sonnendeck – oder im Solarium – oder am Radar“, das war der Refrain zum Sommerhit des Jahres 2000 von Peter Licht. Mit dieser Leichtigkeit sollten Mütter nicht nur zu Hause, sondern auch im Büro eine Abwesenheitskultur einführen, statt immer nur über die altbackene Präsenzkultur zu mosern. Nehmen wir den Moment, in dem man als berufstätige Mutter fluchtartig den Arbeitsplatz verlässt, damit man noch rechtzeitig die Kinder von der Kinderbetreuung abholen kann. Wie oft begleiten wir diesen Abgang mit den Worten, dass wir „leider weg müssen, weil die Kinder warten“? Warum gehen wir nicht ebenso schnell, aber erhobenen Hauptes durch die Tür und erwähnen lieber, was wir heute alles geschafft haben?

Einfach gehen. Einfach guten Gewissens abwesend sein.

 

Präsenzkultur und Mütter: Wir brauchen eine Abwesenheitskultur, Foto: Arbeiter an der Stechuhr, um 1950, Kienzle Taxameter, Villingen (Uhrenindustriemuseum Villingen-Schwenningen)

 

Inhaberin von NetWorkingMom.de. Als bekennende Latte-Macchiato-Mama trägt sie nicht nur interessante Netzfundstücke zusammen, sondern plaudert in der Kaffeeküche recht scharfzüngig über die Merkwürdigkeiten, die einem als berufstätige Mutter so begegnen. Mehr Lifestyle und Kinderkram gibt's im Zweitblog www.BerlinFreckles.de

2 Comments

  1. Halleluja!
    Super Begriff: Abwesenheitskultur! Und wenn ich morgen nicht im Grossraumbüro bin oder auf dem Sonnendeck, bin ich im Homeoffice! Was leider immer noch eine Seltenheit ist bei Angestellten. Braun kann man auch werden, mit dem richtigen Selbstbräuner, hahaha

  2. :-)) Ja, also diese Abwesenheitskur würde ich manchen Müttern gerne mal ne Weile verordnen… dass kann nämlich der Vater-Kind-Bindung auch sehr gut tun. Das ist richtig nachhaltig.

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