Im Tal des Jammerns schallt das Echo so schön

18. Juli 2013 | Von | Kategorie: Beruf und Familie, Newsmeldungen

Mehr als 100.000 Ergebnisse mehr spuckt Google für „Frauen jammern“ aus als für „Männer jammern“ und mit dem Artikel „Karriereknick nach Babypause: Frauen, hört auf zu jammern“ ist ein weiterer Eintrag für die große Suchmaschine dazu gekommen. Die Autorinnen stellen darin fest, dass wir (die Frauen zwischen 30 und 40) so gut ausgebildet wie nie zuvor sind, mit Top-Einstiegsgehältern in Kanzleien und Unternehmensberatungen einsteigen, scheinbar mühelos die ersten Sprossen der Karriereleiter gewuppt haben und Lebensläufe vorweisen können, von denen unsere Mütter nicht zu träumen wagten. Und was dann?

Angeblich enden wir eines Tages mit Mann, zwei Kindern und Babypausen hoffnungslos überqualifiziert in der Teilzeitfalle. Und – nicht zu vergessen – wir Frauen jammern natürlich laut und auf hohem Niveau darüber. An dieser Stelle muss ich aber kurz einwerfen, dass mindestens genauso viele Artikel (online und offline) davon berichten, dass die Einstiegsgehälter von Frauen eben nicht so „top“ sind, wie immer behauptet wird. Aber das ist ein anderes Thema.

Frauen jammern – und dekorieren das Heim

Mit dem Kinderkriegen käme der Nestbautrieb, heißt es, und der ließe uns irgendwo zwischen Heimveredelung (mit Faible für Dawanda und Co.) und Kindererziehung hängen bleiben, anstatt uns weiter um die begonnene Karriere zu kümmern. Wer den Artikel aber liest, wird merken, dass nicht die Babypause an sich als Karrierekiller Nummer 1 hingestellt wird. Vielmehr sei es die Berufswahl der Frauen und die fehlende weitsichtige Berufsplanung. Für eine ganz andere Sicht, nämlich „Denkt Euer Leben von hinten her!“ wird Jutta Allmendinger herangezogen, die das einmal gefordert haben soll.

Ich finde, es ist grundlegend ein wirklich guter Ansatz, sich zu fragen, wo man in 50, 20, 10 Jahren stehen will. Ich hätte gern gewusst, in welchem Zusammenhang diese Forderung fiel. Doch irgendwie scheint Allmendinger ihre Forderung eher geflüstert zu haben, zumindest aus digitaler Sicht. Denn bis auf den oben verlinkten Artikel findet sich kein Hinweis darauf. Gut möglich aber auch, dass Allmendinger die Forderung ganz anders formulierte. Eine Forderung von mir ist an dieser Stelle jedoch ganz klar, bei den Formulierungen etwas vorsichtiger mit der Kombination „Babypause“ und „Teilzeitfalle“. Ich fühle mich dann immer an die seit über 50 Jahren gern zitierte Scheinkorrelation zwischen der Anzahl von Störchen und der menschlichen Geburtenrate erinnert. Nur weil eine Korrelation vorliegt, ist es eben noch lange keine Kausalität.

Frauen, denkt euer Leben mehr ohne Pause und Falle

Doch wenn ich jetzt noch darüber schreiben würde, dass Babyzeit (Elternzeit) alles andere als „Pause“ bedeutet und ich deswegen schon den Begriff „Babypause“ nicht mag und dass ich auch „Teilzeitfalle“ am liebsten aus dem Sprachgebrauch tilgen möchte, werde ich an anderer Stelle einmal ausführen. Jetzt bin ich erst einmal still und werde hören, wie lange das Echo nach dem Artikel im KarriereSPIEGEL noch schallt, bevor auch er sich still in die fast 700.000 Suchergebnisse bei Google reihen wird.

 

Frauen jammern angeblich zu viel über den Karriereknick nach der Babypause (Cartoon von Randy Glasbergen)

Frauen jammern angeblich zu viel über den Karriereknick nach der Babypause (Cartoon von Randy Glasbergen)

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Sophie Lüttich

Inhaberin von NetWorkingMom.de. Als bekennende Latte-Macchiato-Mama trägt sie nicht nur interessante Netzfundstücke zusammen, sondern plaudert in der Kaffeeküche recht scharfzüngig über die Merkwürdigkeiten, die einem als berufstätige Mutter so begegnen. Mehr Lifestyle und Kinderkram gibt's im Zweitblog www.BerlinFreckles.de

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3 Kommentare auf "Im Tal des Jammerns schallt das Echo so schön"

  1. Andrea sagt:

    Ohman. Was mich am meisten daran stört, es gibt auch noch nicht studierte frauen, oh schreck, ja sogar NUR mit Abitur. Die real- oder hauptschüler frauen von damals möchten sich bitte schämen. Was ist denn mit den kassiererinnen oder einzelhandelskauffrauen? Gehen die nicht zurück aus der elternzeit? Ich fühle mich als angestellte einer Bank, ohne studium, nach elternzeit teilzeit wie eine hohle nuss. Dank solchen artikeln.

  2. Bianca sagt:

    Liebe Sophie,

    es ist wirklich schade, wie die Medien Frauen ins Jammertal schicken. Interessant ist doch auch, dass immerhin 28 Prozent der Männer bereuen, in Elternzeit gegangen zu sein – zeigt eine aktuelle Umfrage des Bundesfamilienministeriums.
    Interessant (im positivsten Sinne) finde ich deine Abneigung gegen die Begrifflichkeiten. Natürlich machen Frauen keine „Pause“, natürlich kann „Teilzeit“ auch keine Chance, keine Falle bedeuten. Mit dem Kitaausbau unternahm die Regierung ja einen eher kläglichen Versuch, Betreuungsplätze zu schaffen. Ich las kürzlich, dass das – rein zahlentechnisch – auch gelungen sei, dass aber die Zahlen auch jene Kitas integrieren würden, die noch gar nicht geöffnet sind. Und dass das Zahlenmaterial keine Örtlichkeiten berücksichtigt: Während in städtischen Gefilden tatsächlich hier und da genügend Plätze verfügbar sein könnten (Konjunktiv!), heißt das noch lange nicht, dass einige Kilometer weiter auf dem Land genügend Plätze da sind.

    Ich persönlich kenne nur wenige Mütter, die am Jammern sind – in meinem Umfeld befinden sich viele „Anpackerinnen“. Das finde ich gut – und denke, diese sollten mehr in den medialen Fokus rücken.

    In diesem Sinne: Danke für den wertvollen Beitrag & sonnige Grüße,
    Bianca

  3. Rosalie sagt:

    Ganz klar möchte ich sagen, dass ich es für eine Sauerei halte, wenn Arbeitgeber Mütter anders behandeln als Väter.
    Ich muss aber auch sagen, dass sie es sich leisten können. Nicht weil sie das Geld haben, sondern weil sowohl Mütter, als auch Väter dabei mitmachen. Solange Mütter meinen, sie müssten freiwillig – für das Kindswohl, den Familienfrieden, weil der Mann ja mehr verdient – zurückstecken und ganz klar nicht darauf bestehen, auf gleicher Augenhöhe zu sein mit dem Partner, so lange brauchen die Väter kaum zu reagieren. Und dann brauchen die Arbeitgeber auch nicht zu reagieren. Wenn die Mutter freiwillig sagt, sie geht in Elternzeit, dann ist das nett, aber eben freiwillig. Es gibt in allzu vielen Fällen keinen Grund, weshalb nicht der Vater das sagen sollte. Oder warum er nicht 2 Tage bei Krankheit zu Hause bleibt etc…
    Denn irgendwo hat die Autorin recht. Die Ausbildung wird immer besser, das Gehalt gleicht sich an, die Betreuungsangebote werden immer besser. Wenn das auch alles noch nicht perfekt läuft, es wird sich verbessern. Aber nur, wenn Frau diese Verbesserung auch vehement einfordert.
    Ich befürchte, es ist ein großes Problem, dass man sich vorher etwas Schönes in Gedanken zusammenzimmert und nach der Geburt, funktioniert der Plan dann halt nicht so gut. Das geht aber jedem so. Keine Frau muss sich darum dem Schicksal beugen. Aber – und dass muss ich so mancher Zeitgenössin leider vorwerfen – es ist anstrengender Familie zu haben und 100% zu arbeiten, als nur eines davon zu machen. Man muss das wirklich wollen. Abgesehen davon, die Frauen, die aus finanziellen Gründen gar nicht weniger als 100% arbeiten können – und davon gibt es gar nicht wenige – die fragt auch keiner, ob sie das schaffen und wollen. Was ist mit diesen Frauen?

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